Alpe della Colma - Alpe Selle - Wandern so lange der Urlaub reicht

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2017 TurAlpZin / GTA ( Grande Traversata delle Alpi)

42 Di 15.08.17   Alpe della Colma- Molini di Colasca

     3:45 Std.   8,1 km   81 ^ 1121
  
Stehen heute etwas später auf als sonst, das Pärchen schläft noch. Die Tour heute ist kürzer und so gut wie ohne Aufstieg. Etwas relaxen, Kräfte schonen und sammeln, ist  die heutige Devise. Reserviert haben wir für heute nicht, entgegen den letzten Tagen, wo die Quartiergeber jeweils für die kommende Nacht für uns angerufen haben. Wird schon klappen! Wenn doch nicht, können wir bis zur Alpe del Lago weitergehen, oder aber mit dem Bus nach Forno fahren, steht so als Alternative im Wanderführer.

Abschied von Gisela, Friedberg, Heike und Jochen, für sie ist es der letzte Wandertag, sie steigen ab und fahren nach Hause. Abschied auch vom Haushund der uns schwanzwedelnd ein wenig begleitet.

Ein toller sonniger Tag, der breite Bergrücken bietet einen Rundumblick per excellence, wir machen uns in Richtung Westen auf den Weg, wo die großen weißen Riesen stehen. Der Steig führt uns über Wiesen, hoher Farn säumt den Weg, durch lichte Baumbestände, erst mal ohne groß an Höhe zu verlieren, dahin. Dann aber leiten uns viele Serpentinen immer weiter nach unten, nie ausgesetzt, auf weichem Tannennadeluntergrund.

Nach einem längeren Querstück nochmal Kurve um Kurve, bis nacheinander Almen erreicht werden. Alpe Prer, Alpe la Barca, bei letzterer steht sogar eine schmucke Kapelle. In Olio übersehen wir ein Schild, der „Schaden“ ist aber gering, bald sind wir wieder auf der „richtigen Spur“.

35 Minuten bis Molini di Calasca erzählt ein Wegweiser, aus Erfahrung lassen wir uns davon nicht blenden und rechnen mindestens 15 Minuten mehr dazu.

Durch dicht bewachsenen Mischwald laufen wir nun, viele terrassenförmige Mauern säumen unseren Weg gleich ein paar Kilometer weit. „Vigino“ steht auf dem Schild am Ortsrand, da brauchen wir eigentlich nicht hin. Ich frage einige Passanten, die uns dann die Straße weiter nach unten schicken. Bei Orten mit starker Hanglage sind wir etwas vorsichtig, nicht das unser Quartier sich doch am oberer Rand befindet und wir wieder hochlaufen müssten.

Endlich haben wir die Locanda gefunden, aber die Türen sind verschlossen. Auf ein Klingeln meldet sich niemand. Die werden doch nicht heute am Nationalfeiertag ihren Ruhetag haben? Was tun?

Wir setzen uns auf die Terrasse, einige Tische sind noch voll mit gebrauchtem Geschirr. Gerade suche ich im Wanderführer nach der Telefonnummer, als das Italienische Paar um die Ecke biegt. Die haben für heute reserviert, also nicht geschlossen ist sogleich unsere Schlussforderung, das beruhigt. Ein Auto hält, noch ein paar Personen die „reinwollen“, da erscheint auch die Wirtin und hat auch ein Zimmer für uns. Ein paarmal stellt sie die Frage, ob wir reserviert hätten, es gingen noch zwei Fußreisende ab und sie mache sich langsam Sorgen.

Die Sachen rauf ins Zimmer, ein Cappuccino, Wäschewaschen, ausruhen. Draußen ist Musik zu hören, später ein Chor der singt. Scheinbar ein Fest. Neugierig geworden schauen wir nach. Nicht weit von der Locanda steht die  große Wallfahrtskirche Madonna della Gurva am Torrente Anza (Fluss). Von überall strömen Leute hierher um dem Fest beizuwohnen. Reiter in prächtigen Uniformen, Musikkapellen in ihrer Tracht geben ein farbenfrohes Bild. Vergeblich suchen wir nach einem Imbiss- bzw. Getränkestand. Essen und Trinken sollte es erst ab 20:00 Uhr geben, da sitzen wir aber in der Gaststube. Haben Halbpension und futtern Spagetti Promodore als Vorspeise und Pizza Rabiatta als Hauptspeise.
Beim Abendessen gießt es in Strömen und Blitze zucken vom Himmel, gut dass wir im trockenen sitzen.

43  Mi 16.08.17 Molino di Colasca - Biv. Alpe del Lago 5:30 Std. 8,9 km  
    1239 ^ 197


In der Nacht ist noch einiges Wasser vom Himmel gekommen, jetzt aber ist er klar. Ein deutsches junges Ehepaar hatte reserviert, sie sind relativ spät eingetroffen, Kunststück, sie hatten die letzten zwei Etappen zusammen gebündelt. Auch die kommenden beiden wollen sie in einem Stück laufen, erzählten sie beim Abendessen. Da nur 6 Tage Zeit, ist der Drang möglichst weit zu kommen, natürlich vorhanden. Wir müssen und wollen mit unseren Kräften etwas anders haushalten.

Der Rucksack ist heute etwas schwerer als sonst. Kaufen ein für Brotzeit, Abendessen und Frühstück. Im Bivacco heute Abend werden wir nicht mit einem 4 Gänge-Menü verwöhnt, wie die letzten Tage. Danach gehen wir den schon bekannten Weg zur Wallfahrtskirche, über die Brücke des Torrente Anza und verschwinden im dunklen grünen Wald.

Vorsicht, Gras, Steine und Erde sind noch nass vom vielen Regen, der Untergrund rutschig. Wieder einmal fühlen wir uns in dieser Gegend wie im Urwald. Mannshohes Gestrüpp und Stauden ringsherum, alle möglichen Grüntöne leuchten uns entgegen. Wo die Sonne schon durchdringt, steigt weißer Dampf auf.

Irgendwann überholen uns Osman und Sonja, das italienische Pärchen, deren Ziel auch das Bivacco ist. War die Steigung zu Beginn recht schweißtreibend, so verläuft sie jetzt recht angenehm dem Berghang entlang. Rechts des Steiges fällt das Gelände allerdings steil zu einer Schlucht hinunter, in der ein Bächlein plätschert. Zwischendurch sorgen Seile für mehr Sicherheit.

Natürlich kann es nicht ewig so gemütlich dahingehen, wie sonst als mit steileren Passagen sollen die heutigen 1200 Höhenmeter überwunden werden? 2 ½ Stunden steigen wir im schattigen Wald bergauf, hinterher wird es lichter, Pause bei der Alpe Pozzetto. Welch einen Weitblick dürfen wir später bei der Alpe Camino genießen, nur schade die hohen Berggipfel sind von hohen Wolkentürmen zugedeckt. Von hier an bestimmt eine Art Höhenweg unser Vorwärtskommen, mit ständigem auf- und ab. Christa übersteigt umständlich eine Weidetür, die ich kurz darauf ohne Mühe einfach öffne. Dort in diesem Talkessel können wir ein Häuschen ausmachen, das wird es sein, das Rifugio Alpe del Lago, die Selbstversorgerhütte. „Decken und Trinkwasser vorhanden“ steht im Wanderführer. Decken sind wichtig, wir haben keine Schlafsäcke dabei, nur leichte „Überzüge“, bzw. Hüttenschlafsäcke.

Sonja und Osman sind bereits da, machen im Freien Brotzeit. Wir „bestaunen“ unser heutiges Lager und überlegen, welche der Matratzen und deren Überzüge wohl die „saubersten“ sind. Neben den Stockbetten für 9 Personen, stehen noch ein Holzofen, ein Gasherd und ein Sideboard mit Geschirr. Für eine Alpenvereinshütte ist der Zustand als „Schäbig“ zu bezeichnen.

Raus mit den Decken und Matratzen, Osman klopft sie mit einem Besen etwas aus, frische Luft und Sonne können ihnen nur guttun. Mit den beiden kommen wir immer besser ins Gespräch, wenn auch die Verständigung etwas holprig ist.

Nochmal Brotzeit, in die Sonne gelegt, geschrieben und gefaulenzt, immer mit der Hoffnung, dass nicht noch mehr Leute kommen zum Übernachten. Zum kalten Abendbrot gibt es immerhin heißen Tee.

44 Do 17.08.17 Alpe del Lago - Campello Monti 7:15 Std. 10,5km 757 ^ 991


Geschlafen haben wir einigermaßen gut, ein karges Frühstück eingenommen, dann raus aus der Bude. Die beiden starten schon 20 Minuten vor uns, bei wiederum sonnigem Wetter. Etwas zäh empfinde ich unseren Start. Ich will losrennen um rasch an Höhe zu gewinnen, die Weitsicht genießen, solange noch keine Wolken am Himmel sind. Christa allerdings, kommt heute nur schwer in die Gänge, ihr Bewegungsapparat sträubt sich noch etwas gegen die neuerlichen Anstrengungen.

Viel Gebüsch und Gestrüpp stellt sich uns entgegen, verblühte Alpenrosensträucher verdecken die Markierungen. Dank fleißiger Bauherren von Steinmännchen wird der Pfad dann doch gefunden, der im Zick-Zack auf den Südkamm des Pizzo Camino führt. Vom phantastischen Ausblick bleiben nur Bruchstücke übrig als wir oben ankommen, zu schnell hat es zugezogen. Nur kurz war (vermutlich) der Monte Rosa zu sehen. Trotzdem ist es eine Schau, hier oben zu wandern.

Der erste Abstieg folgt, dann eine lange Querung durch eine steile Grasflanke, bis wir dann die Alpe Pian Lago erreichen. Das nächste Biwak, allerdings ohne Decken. Nach späteren Schilderungen von Osman, war „unser“ Biwak, dagegen sauber.


Einige Männer arbeiten hier am Dach eines Gebäudes. Drei Esel und drei Hunde spielen „Fangermandl“. Einer der Esel büchst immer wieder aus und galoppiert rund um das Areal, die Hunde jagen hinterdrein. Ein lustiges Schauspiel.

Pause ist angesagt, um den Frieden bei der Alpe nicht zu stören, wandern wir ein Stück weiter und setzen uns inmitten von Blaubeersträuchern. So ist gleich für eine köstliche Nachspeise gesorgt. Der Himmel wird immer grauer, Nebel zieht herein, verdeckt mehr und mehr die Gipfel rundherum. Weiter geht es zur nächsten Scharte, der Punta dell`Usciolo.


Tief unter uns sind wohl so 20 Menschen beim Abstieg zu beobachten, unsere Route verläuft dagegen nach kurzem gemächlichem Abstieg hinauf zur Colle dell`Usciolo. Mit 2027 Metern der höchste Punkt an diesem Tag. Erstmal wartet der Lago di Ravinella auf uns, trotz dichtem Nebel können wir bei einer längeren Pause, der Gegend einen Reiz abgewinnen.

Nach 200 Metern Aufstieg fast ohne Sicht, stehen wir in der Scharte und bestaunen das sonnige Tal, das sich vor uns auftut, während hinter uns alles „dicht“ ist. Wieder runter mit Stirnband und Handschuhen. Auf dem gut ausgebauten Steig kommen wir zügig voran und gut ins Schwitzen.

Einige Male wird ein Bächlein gequert, bei einer Geländekante sehen wir dann plötzlich Campello Monti unter uns liegen. Ein malerisches Bergdorf. Das Posta Tappa hat noch geschlossen, der Schlüssel wäre bei der Alpe Sass zu holen. Das erscheint uns etwas umständlich, so versuchen wir im Restaurant „Alla Vetta del Capezzone“ unser Glück. Mit Erfolg.

Ein junger Mann aus Memmingen kommt um 19:45 Uhr, als wir gerade beim Abendessen sitzen. Mit einem Sprachführer in der Hand fragt er nach einem Zimmer und ist heilfroh noch eines zu bekommen. Sonja und Osmann übernachten auch hier.


45 Fr 18.08.17   Camp. Monti - Rimella/Chiesa 5:00 Std. 9,1 km   646 ^ 767
 

Im Flur und Treppenhaus steht einiges Wasser, im Gastraum sind Schimmelflecken an den Wänden, trotzdem fühlen wir uns in diesem Haus wohl. Die Wirtsleute sehr herzlich, die Räume machen trotz des Wassers keinen heruntergekommenen Eindruck.

Rimella/Chiesa ist das heutige Ziel, eine überschaubare Etappe, es eilt also nicht. Schon beim Start steigt der Weg an, aber nie außergewöhnlich steil.

Der Himmel zeigt sich bewölkt, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Das Tal hinter und unter uns, füllt sich mit einem Meer aus Dunst. In ca. guten 2 Stunden ist der Aufstieg geschafft, auf uralten Walserwegen. Wieder einmal tauchen unsere Blicke ein in eine neue Welt, ins Mastallone-Tal in der Provinz Vercelli. Ein diffuses Licht gibt den umringenden Bergen einen besonderen Reiz, die grauen Töne sind von wenigen „Sonnenlöchern“ durchbrochen und leuchten uns entgegen.

Sonja und Osman staunen wie wir hinab zu der Alpe Pianello und den Weilern S. Giorgio und S. Gottardo. Kurzen Aufstieg zum nahen Gipfelkreuz, Pause machen wir erst an windgeschützter Stelle an der Alpe Pianello.

Entgegen den letzten Tagen treffen wir auf andere Wanderer, sie sind aber trotzdem an einer Hand abzuzählen. Der weitere Abstieg könnte nicht schöner sein, weitläufig mit geringem Gefälle und tollen Ausblicken.

Posa die Morti, der Ort an dem zu früherer Zeit (1551), verstorbene Personen an den Pfarrer von Rimella übergeben wurden, da Campello Monti damals weder Kirche noch Friedhof besaß. Ein Kreuz und ein Rastplatz erinnern daran.

Irgendwann verlieren wir die Route, stoßen aber nach geraumer Zeit wieder darauf. Im Weiler Prati laufen wir am B&B Huüsch vorbei, das mit Sauna um Gäste wirbt. Wäre schon verlockend, aber zum Abendessen müssten wir  20 Minuten bis Rimella laufen und die gleiche Strecke wieder zurück.

Wir kommen um ca. 14:00 Uhr im Albergo Fontana an, „nehmt erst mal auf der Terrasse Platz, wir kommen gleich“, so der Empfang. Sonja und Osman sitzen schon dort. Wir tun es ihnen gleich, runter mit den Rucksäcken und warten. Eine halbe Stunde vergeht, eine Frau kommt, nimmt eine Bestellung auf. Wieder vergeht eine gefühlte halbe Stunde, ich will gerade nachschauen wo die Getränke bleiben, da kommt die Dame um die Ecke.

Sonja und Osman (die reserviert hatten) können einchecken. Wieder eine halbe Stunde, ich trage das Geschirr in den Gastraum, um uns wieder in Erinnerung zu bringen. Drei Frauen, sie sehen mich, sprechen aufgeregt miteinander, schließen die Tür hinter ihnen, streiten? Im Gastraum eine jüngere Frau, Schweizerin, auch sie wartet auf eine Entscheidung.

Nach weiteren 10 Minuten dann endlich die Erlösung, die Gewissheit bleiben zu dürfen, an der besonders Christa schon stark gezweifelt hatte. Einkauf im Alimentari, Sonnencreme bekomme ich aber keine. Danach unsere obligatorischen Verrichtungen. Alles ist sehr sauber und gemütlich.

Um 20:00 Uhr treffen alle Gäste zum Dinner ein. Martina, die Schweizerin die alleine an einem Tisch sitzt, gesellt sich zu uns. Sie erzählt von einer Bekannten, die vor nicht langer Zeit hier genächtigt hatte. Es soll ein 11 Gänge-Menü geben, also etwas sparsam mit den einzelnen Gängen umgehen, ist ihr Rat.

Bis um 20:45 Uhr warten, irgendwie macht sich Ratlosigkeit breit. Endlich ist es soweit und es sollte bis Mitternacht dauern. Alles war sehr lecker. Eigentlich sind wir hier in einem Sternenrestaurant gelandet. Jeden einzelnen Gang haben wir fotografiert, es waren tatsächlich 11. Den letzten, Espresso ließen wir aus, wollten endlich ins Bett, waren hundemüde.

Bemerkenswert; nicht wir sagten nach jedem Gang Grazie, sondern Frau Wirtin. So etwas haben wir noch nie erlebt.

46   Sa 19.08.17 Rimella - Alpe Selle  7:30 Std. 14,6 km  1272 ^ 631

Um 07:30 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, der Kaffee kommt erst um 08:00 Uhr. Das Frühstück hervorragend. Eine Jause wollen wir noch und dürfen uns umsonst bedienen. Ich gebe Trinkgeld, Frau bedankt sich, geht in den Laden und übergibt mir eine große Tafel Schokolade, geht nochmal in den Laden und gibt mir ein kleines Glas Honig.

Meine Verwirrung wird noch größer, als sie ein Handtuch aus einem Schrank nimmt und das Glas darin einwickelt. „Tu es so in den Rucksack, dann drückt es nicht“, ist ihre gut gemeinte Erklärung dazu. Diese Herzlichkeit entschädigt für die etwas umständliche Prozedur beim Bezahlen und Ausfüllen eines Formulars. Weitere Gäste rollen schon ungeduldig mit den Augen.

Wo ist der Weg? „Stopp, stopp, nicht da rauf“, korrigiert uns ein bärtiger Mann beim Loslaufen. Dankeschön. Nach der Teerstraße zweigt ein Pfad ab, der uns runter zu einem Bach leitet. Über diesen hinweg geht es nach Roncaccio inferiore hinauf. Schmal, viele Stufen und eng zugewachsen präsentiert sich der Steig. Mitten durch Gärten, schmalen Gassen, die Häuser sind nicht nebeneinander angesiedelt, sondern aufeinander. So richtig an den Berghang geklebt. Und weiter steil durch Wald hinauf, der gelegentlich Blicke auf das gegenüberliegende Rimella preisgibt. Rauf, rauf, rauf, der Wald lichtet sich, eine Wiese macht sich breit, darüber wird der Weiler las Res erreicht.

Frisches Wasser strömt aus einem Brunnen, an dem sich gerade ein Schimmel labt. Einige Touristen mit Kindern stromern herum und begucken neugierig unsere Rucksäcke. Trinkpause, Abstieg auf breitem Weg nach Belvedere. Ein junger schwarzer Hund tollt da herum, will mit uns spielen. Er erinnert mich sofort an Doni, den kleinen Welpen von unserem Sohn.

Während unserer Brotzeit bei der San Antonio Kapelle, wandern Osman, die im 5. Monat schwangere Sonja und ein weiteres italienisches Paar an uns vorbei. Großes Hallo! Ich fotografiere gerade eine eingefasste Tafel am Boden, als ein Mann entgegen kommt und uns erklärt, warum, wann und wieso, diese eingefasst wurde. Die nicht weit entfernte Bogenbrücke stammt aus der gleichen Zeit.

Nun müssen wir auf der Straße entlang laufen, bis Santa Maria di Fobello und weiter bis zu deren Ende bei den Häusern von Campo.
Bei Santa Maria hören wir Schreie, „Christa, Franz“, verwundert sehen wir uns um. An einem Fenster des Posta Tappa des Rätsels Lösung, Sonja und Osman winken herunter, unsere letzte Begegnung mit den beiden.

Ein Steig führt weiter, wieder stetig an Höhe gewinnend, nochmal ca. 600 Höhenmeter. Wieder eine wild wuchernde Vegetation, die uns einmal mehr begeistert. Nochmal Pause auf improvisierten „Stühlen“. Der Himmel vor uns wird dunkler und dunkler, wir gehen und gehen. Viele Leute kommen entgegen, wohl von der Alpe Baranca, welche eigentlich das heutige Ziel wäre.

Ein Anruf unserer gestrigen Gastgeberin, hatte aber ergeben, wegen einer Feier sei kein Bett mehr verfügbar. Eine halbe Stunde weiter, in der Alpe Selle, konnte sie aber für uns reservieren. Malerisch schön liegt die Alpe Baranca rechts unter uns, nicht weit vom Weg ein großer Felsen mit Glocke und Marienfigur in einer Nische. Vor dem Felsen stehen eine Art Biertische, die wir bald darauf zweckentfremden.

Schwarz ist der Himmel über uns geworden, das lässt nichts Gutes ahnen. So gedacht, geht es auch schon los. Ein Graupelschauer prasselt auf uns nieder, schnell unter die Tische gekrochen und auf Besserung gewartet. Fast 15 Minuten harrten wir der Dinge, irgendwann müssen wir wieder los, das Schlimmste scheint vorüber.

Der Steig zieht einen weiten Bogen, eine Scharte tut sich auf, ein gewaltiger Wasserfall stürzt herunter, da müssen wir hin. Der Blick schweift weiter über die Berge rechts davon, ein Haus ist zu sehen, die Alpe Selle. Das schaffen wir in einer halben Stunde. Das Rieseln hat nachgelassen, der Wind pfeift aber noch saukalt um unsere Ohren.

Im Gastraum prasselt das Feuer im Kamin, schön behaglich warm ist es da. Bevor das Lager bezogen wird, noch ein Kaffee. Martina sitzt schon länger hier, sie ist trocken angekommen und freut sich auf Gesellschaft. Von der Alpe sind noch Leute da, die haben einen Lärmpegel, der kaum auszuhalten ist.

Der Schlafraum gut eingerichtet, je Bett eine Steckdose, aber keine Hacken für die nassen Kleider. Ich stelle den Rucksack zwischen die Betten und Hoppla was ist das, der Rucksack ist unten nass. Wie das denn? Des Rätsels Lösung; der Boden ist nass! Obwohl der Raum relativ neu ist, ist die komplette Ecke zwischen Wand und Boden tropfnass! So muss der Rucksack halt woanders hin.

Der Wunsch den Raum für uns drei alleine zu haben, erfüllt sich leider nicht, alle 7 Betten werden belegt.

 
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