GTA Airolo - Varzo - Wandern so lange der Urlaub reicht

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2017 TurAlpZin / GTA ( Grande Traversata delle Alpi)

33   Sa  05.08.17   Airolo/Bred. - Cap.Corno Gries   4:15Std.   12,1km   927 ^ 113
 

8 Kilometer spare ich mir, Christa ungefähr 12. Doch noch Busfahren. Bis Bredetto gibt es keinen „gscheitn“ Wanderweg, sagte man uns, eigene Recherchen ergaben das gleiche. Ich steige bei „Ronco“ aus, Christa bei der Alpe Cruina. So sind wir heute mal getrennt, jeder läuft alleine zu seinem eigenen Gutdünken, mit Blick auf die kommenden Tage, mal schauen wie das ist.


Die Orientierung ist kein Problem, der Weg schnell gefunden. Drei Frauen orientieren sich auch gerade mit ihren Navigationsgeräten, schlagen aber einen anderen Weg ein. Bald wird aus der Forststraße auf der ich gehe ein Steig, der sich gemütlich durch lichten Laubwald, schön dem Gelände angepasst, dahin schlängelt. Absolut ruhig ist es, nur hin und wieder sind Motorengeräusche von der Passstraße drüben zu hören. Die Sonne scheint, es ist aber nicht so heiß wie die letzten Tage, der leichte Wind frischt etwas auf. Nach ca. 1 Stunde sehe ich die Stelle ein, wo Christa wahrscheinlich umgestiegen ist, um mit dem Bus zur Alpe Cruina zu fahren. Dies ist die Alpe, an der viele GTA Wanderer einsteigen.

Ein Mann kommt von drüben den Weg hoch, meine Fragen über einen anderen Höhenweg (über San Ciacomo) beantwortet er, nachdem er mich gemustert hat mit; „das ist schon streng, aber für sie schon zu schaffen“. Ein Schild hatte kurz vorher 4 Stunden bis zur Kapelle angezeigt. Ich bedanke mich und lass es dann doch lieber bleiben, keine Experimente!

Eine Schlucht tut sich auf, die es zu umgehen gilt. Der Steig führt eng am dicht bewachsenen Rande entlang, ab und zu sind sogar Sicherungsseile angebracht. Bei Regen sind diese Seile auf alle Fälle hilfreich. Das Gebüsch lichtet sich und macht Platz für Weideflächen auf denen Kühe grasen.

Weit hinten, da oben, das könnte schon die Hütte sein. Noch ist sie nur als winziger Punkt erkennbar. Die Passstraße kommt wieder näher und näher, der Ticino wird immer kleiner und plätschert mir als kleiner lustiger Bach entgegen. Langsam wird es Zeit für eine Pause, mein Magen knurrt, er will was zu essen. Ich suche mir in dem hügeligen, mit Felsen durchsetzten Gelände eine windgeschützte Stelle und mache es mir gemütlich. Sogar mein T-Shirt kann ich ausziehen, so warm ist es im Windschatten. Wie es wohl meiner Frau geht? Ob sie schon auf der Hütte ist?

So eine gute Stunde werde ich wohl noch brauchen, ab dieser Stelle wird der Weg steiler, die Alpe Cruina ist bald passiert.

Nach einer Alm mit Melkstation schickt mich das Navi rechts den Berg hoch, auf eine spätere Korrektur gehe ich nicht ein, laufe auf dem schlechten Weg weiter, er ist aber gut sichtbar. Von der Alpe weg, sind mehr Leute unterwegs, einige kommen auch von oben runter, werden wohl zu ihren Autos gehen.

Endlich wieder Berge denke ich mir, obwohl wir ringsherum welche hatten in den letzten Tagen, aber sie halt nur von unten aus gesehen haben. Die vielen Blumen am Wegrand erfreuen genauso, wie der Blick zurück ins Tal.

Die Hütte kommt näher und näher, sie macht neugierig mit ihrer ungewöhnlichen Form, auf der Terrasse tummeln sich eine Menge Leute.

Christa sitzt in der Sonne und winkt mir freudig zu. „Ich bin vor ca. 1 Stunde angekommen und doch mehr gelaufen als ich ursprünglich geplant hatte“, erzählt sie mir. „Ich bin bei All`Acqua aus dem Bus gestiegen und die Beine sind einfach losgelaufen. Und nicht wie eigentlich geplant auf den nächsten Bus zu warten um damit weiter hoch zu fahren". Dennoch sind wir beide zeitig angekommen und haben noch genug Zeit zum Relaxen.

Im 10 Betten-Lager sind wir diese Nacht zu sechst, der Gastraum ist gut voll. Klaus und Moritz leisten uns auch beim Abenddinner Gesellschaft. Vater und Sohn wollen 8 Tage auf dem GTA wandern. Wir werden sie immer wieder treffen. Es wird spannend, wir haben in erreicht, den Startpunkt der GTA (Grande Traversata delle Alpe). In 65 Tagen von der Schweizer Grenze durch das Piemont bis ans Mittelmeer. Mal schauen, wie es uns dabei ergeht.
Nachbetrachtung:
Die Strecke von Colico bis zum Rifugio Capanna Corno Gries würde ich beim nächsten Mal wohl anders machen. Colico bis Rifugio Jorio ist schön. Absteigen würde ich gleich bis Arbedo und von dort einen Weg suchen über Lacorno am Lago Maggiore.

34   So 06.08.17    Corno Gries - Rif. Margaroli 8:45 Std.   19,3 km    
                               1076 ^ 1208


Schon um 7:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück, die Brote sind zwar abgezählt, man kann aber jederzeit nachbestellen. (Vermutlich um zu verhindern, dass das Brot weggeworfen werden muss oder als Jause mitgenommen wird). Es herrscht große Aufbruchsstimmung. In den Bergen gilt, zeitig weggehen, auch weil am Nachmittag die Gewittergefahr zunimmt. Danach sieht es heute zwar nicht aus, dafür wartet eine stramme Strecke auf uns.

Ein eisiger Wind bläst beim Weggehen, der Himmel ist trübe, aber es regnet nicht. Talaufwärts  gehen wir zum Passo del Corno (2500), steigen über harte Schneefelder und erfreuen uns an einer üppigen, farbenprächtigen Vegetation. Mit uns laufen neben Klaus und Moritz, noch Elke und Katrin den GTA. Ein weiteres Pärchen zweigt ab in Richtung Rifugio Busto, bzw. zum Bettelmatthorn. Am Griespass verschwinden wir dann fast total im Nebel, gerade noch ist ein namenloser See links unter uns wahrzunehmen. Vom Griesgletscher, bzw. Griessee, ist gar nichts zu sehen, außer einem grünlichen Schimmer.


Die rot-weißen Markierungen sind üppig angebracht, geben Sicherheit. Trotz der „widrigen“ Bedingungen sind wir gut drauf und laufen beschwingt dahin. Irgendwann ein Gedenkstein und ein Kreuz, hier trifft uns der Wind voll. Die kleine Kapelle mit Gedenktafel für Richard Wagner, konnten wir nicht sehen. Wir stehen vor dem Abstieg zur Alpe Bettelmatt und ziehen uns warm an, bevor wir die vielen Serpentinen runter laufen. Zwischendurch bläst der Wind Löcher in den Dunst, staunend blicken wir zum blaugrünen Lago di Morasco und zum Griesgletscher über dem Rifugio Busto. Welch eine grandiose Bergwelt. Bald darauf ist die Hälfte davon wieder verschwunden, bis der Wind neue Löcher reißt.

Einige Leute kommen entgegen und grüßen freundlich. Blumen, Bienen und Schmetterlinge verführen immer wieder zu Fotostopps. In der Ebene der Alpe Bettelmatt (2098) hat es wieder warme Temperaturen, der kalte Wind dringt hier nicht rein. Steig oder Schotterstraße? Das letztere nehmen wir, in der Hoffnung schneller voran zu kommen und die Knie damit zu schonen. Dreihundert Höhenmeter tiefer liegt der Lago di Morasco, einer von vielen Stausee`n in dieser Gegend.

Eine Pause wäre angebracht, aber nirgends eine Bank. Am See viele Leute, wir gehen noch über die Staumauer, da hinten scheint ein guter Platz zu sein. Nach 4 Stunden ist es höchste Zeit mal etwas zu essen.

Der Aufstieg zum Passo di Nefelgiu steht an, zäh soll er sein, steht im Wanderführer und das nicht zu unrecht. Den mit Erlengebüsch zugewachsenen Pfad finden wir nicht, gehen somit der Beschilderung nach auf einer Fahrpiste. Auch da einige Ungereimtheiten, ob der Weg auch richtig ist. In weitem Bogen immer höher führend, tun sich neue Bergwelten und Täler auf. Plötzlich ist der Stausee tief unter uns wieder zu sehen und der Talkessel aus dem wir gekommen sind. Es ist immer wieder erstaunlich, wie weit man auch mit gemächlichem Tempo kommt. Auf mäßig steilem Gelände erreichen wir die Alpe Nefelgiu und steigen weiter und weiter auf eine schluchtartige Verengung zu. Schafe sind zu hören und später auch zu sehen.

Mehr und mehr liegt Blockgestein auf dem Weg der steiler und steiler wird. Mühsam kämpfen wir uns voran, Schritt für Schritt. Das Wetter geradezu ideal, die Sonne immer wieder von Wolken verdeckt, lassen die Temperaturen nicht zu heiß werden. 2 – 3 Tropfen Regen sind zu spüren, doch gleich ist die schwarze Wolke wieder weg und macht Platz für die nächste.

Endlich oben, Passo di Nefelgiu 2583, steht auf einem Schild. Und wieder ein gigantischer Ausblick. Der nächste See unter uns, der Lago Vannino, dort steht auch das Rifugio Margaroli, dieses ist von hier noch nicht zu sehen. Aber zwei Menschen befinden sich gerade im Abstieg, das könnten Klaus und Moritz sein. Von den 45 Abstiegsminuten, die auf dem Schild stehen, lassen wir uns nicht täuschen, wir wissen, eine Stunde brauchen wir mindestens.

Sind die Serpentinen bei mäßigem Gefälle noch gut zu gehen, ist bald darauf höchste Konzentration gefragt. Eine etwas exponierte Passage fordert nochmal Hirn und Körper, gerade am Schluss einer langen Etappe.

Auch das wird gemeistert, bald sitzen wir glücklich bei einem Cappuccino auf der Terrasse des Rifugio Margaroli. Klaus und Moritz, Elke und Katrin, gesellen sich bald dazu.

Beim Abendessen sind noch drei Schweizerinnen zugegen, mit jedem Glas Wein mehr, steigt die Lautstärke. Lachen soll aber gesund sein. Der Wirt ist ein sehr sympathischer Mann mit einem guten Schuss Humor. In dieser Hütte haben wir uns sehr wohl gefühlt.


35  Mo 07.08.17 Rif. Margaroli- Alpe Devero  7:30Std. 16,5 km 537 ^ 1075


Die anderen vier sind schon unterwegs, als auch wir aus unseren Startlöchern kommen, heute ist die Route nicht so lange, es eilt also nicht. Runter zum See, vorbei an der Alm, die Kühe warten schon, sie wollen auf die Weide. Unser Gruß wird freundlich von den Bauern erwidert. Zwischen Weg und Lage Vannino steht ein kleines Zelt, zwei junge Leute sind gerade beim Abbau.

Rechts am See entlang, später immer mehr ansteigend bei Bilderbuchwetter. Unser Herz wird weit und frei, wir sind glücklich in dieser einmaligen Gegend so dahin laufen zu dürfen und zu können. Glücklich darüber gesund zu sein. Die Alpe Curzalma wird erreicht, ein türkisfarbener Bach fließt hier, eingerahmt mit jeder Menge Wollgras. Tonnen fungieren als Brücke, der Steig dreht sich um eine Erhöhung und verläuft schließlich steiler durch Blockfeld. Bei einer kurzen Rast vergesse ich beim Aufbruch meine Sitzunterlage.

Die Fernsicht wird immer besser, die Scharte (Scatta Minola 2599) ist erreicht und lässt uns staunen. Das Bivacco Ettore Conti steht an einen Felsen geklebt, wir sind neugierig und gucken rein. Wasser, Küche, Stockbetten und Decken, alles da.


Was das da hinten wohl für Berge sind? Drei Riesen leuchten weiß herüber, von der Richtung her könnten es der große Aletschgletscher, der Fieschergletscher und der Finsteraarhorn-gletscher sein.

Der Abstieg schlängelt sich durch einige Felsstufen, wirkt aber nicht beängstigend. Nochmal schauen, staunen, fotografieren und dann runter, auf der anderen Seite des Berges. Gut zu gehen, nicht zu steil, sicher geht man vorsichtig, ein Fuß ist schnell verknackst. Der See auf der Hochebene kommt näher und näher, Himmel und Bergwelt spiegeln sich darin. Wie große Schneefelder leuchtet das Wollgras.

Runter zur nächsten Hochebene, dabei kommt uns ein Trupp von Pfadfindern entgegen. Schwere Rucksäcke lasten auf den Schultern der Burschen und Mädchen, sie tragen ihre Behausung mit.

Elke und Katrin sind zu sehen, weit unter uns, machen gerade Pause. Als wir kommen sind sie so gut wie fertig, für einen kleinen Plausch reicht aber die Zeit. Etwas Wind kommt auf, der uns zu einer kleinen Hütte gehen lässt, die Wände schützen etwas. Ein kleiner Vogel flattert ganz aufgeregt vor uns, der hat wohl sein Nest in der Nähe und will uns davon ablenken.

Eine Frau sitzt am Wegesrand, ein 5 – 6 jähriger spielt mit einem Gehstock. Schlägt in die Erde und hebt in wieder hoch, wie eine Schranke. Als wir vorbeigehen ermahnt in die Mutter.

Christa beschwichtigt, sagt „Grazie“, bezahlt sinnbildlich Eintrittsgebühr und geht durch das „Tor“. Der Junge lacht, wird neugierig und frägt seine Mutter wo wir hingehen. Und schon ist ein nettes Gespräch im Gange. Wir laufen von Monaco nach Monaco, ist das Ergebnis. München wird ja in Italien  „Monaco“ genannt.

Ab der Alpe Forno Inferiore bringt uns ein steiler Karrenweg in vielen Serpentinen flott nach unten. Die Serpentinen sind so eng, das ein Fahrzeug nicht um die Kurve kommt. Spuren zeigen uns, dass sie sich mal vorwärts, mal rückwärts, „hoch- oder runterkämpfen“.
Mein Navi zeigt geradeaus, rechts unten beim Lago di Pianboglio, sind Elke und Katrin zu erkennen.

Wir entschließen uns, dem Navi zu folgen, aber nicht bevor das Murmeltier abgelichtet ist, das geschäftig hin und her saust. Nach einigen Kehren wird der Lago di Devero sichtbar, auch er protzt mit grün-blau schimmerndem Wasser. Am Ostufer entlang in gemütlichem auf und ab geht es dahin, bis an der südseitigen Staumauer ein Fußweg nach Crampiola zweigt. Ein Bilderbuchdorf und ein Menschenauflauf, kurz; ein Kulturschock.

Gut, es ist schon richtig alte Alpsiedlungen wieder herzurichten, hier ist es mir etwas „zu schön“. Laufen mit der Menge auf „feiner“ Schotterstraße mit (leider), anstatt den Steig nach Devero zu nützen. Die Menschen werden nicht weniger, ob da Betten für eine Übernachtung frei sind?

Keine Sorge, gleich am Ortsrand steht eine kleines hübsches altes Albergo, dort bekommen wir ein Zimmer mit Halbpension. Beim Abendessen sitzen wir alleine in der Gaststätte, soviel zu den vielen Menschen am Nachmittag. Später kommt noch ein deutsches Ehepaar, das auf der Durchreise ist.

36  Di 08.08.17  Alpe Devero - Alpe Veglia  8:00Std.  13,5km   1069 ^ 930

Proviant für heute kauften wir gestern im Laden, auf der heutigen Strecke gibt es nichts, rein gar nichts. Frisches Wasser holen wir am überdachten Brunnen, wo ein Mann trotz Regen und eher kalten Temperaturen sitzt und liest.

Es hatte sich gestern schon angekündigt, das Regenwetter und der graue Himmel. Hat es beim Frühstück noch genieselt, so gießt es jetzt in Strömen. Ist halt so, es kann nicht immer blauer Himmel sein. Am Rande der Hochfläche verschluckt uns bald der Wald und es sind so an die 300 Höhenmeter aufzusteigen, bis wir in das nächste Hochtal kommen. Die Bäume schützen etwas vor dem Regen, der Boden ist natürlich etwas aufgeweicht und rutschig.

Unsere Kinderponchos leisten gute Dienste, sie bieten Schutz zwischen Regenjacke und Rucksack. Wind weht keiner, so ist der Regen einigermaßen erträglich. Er sorgt für frische kräftige Farben an Blumen und Sträuchern. „Ein türkisfarbener Wildbach mäandert durch bunte Wiesenmatten“, so beschrieben im Rother Wanderführer, „im Hochtal Buscagna könnte man sich Stunden aufhalten“. Ja, trotz Nebel mit Sicht vielleicht 200 Meter, manchmal noch weniger, hat diese Landschaft hier schon ihren Reiz. Das Gras ist eher gelb, nicht grün und die Wiesen stehen voller Wasser, gut dass meine Schuhe einigermaßen dicht sind.

Vorne bei der Alpe Buscagna stehen die Kühe zum Melken an, das ist also das Geräusch welches uns etwas irritiert hat. Ist die Hochfläche genüsslich zu durchwandern, steigt der Weg nun an. Einige Blockfelder sind zu queren, die Bäume werden weniger und knorriger. Wieder wird eine Hochfläche gequert, bis der nächste steilere Aufschwung ansteht. Der Weg ist gut markiert und trotz schlechter Sicht gut zu finden. Wo Pause machen? Es hat etwas aufgehört zu regnen, das sollte man nutzen. Steine gibt es genug, unangenehm ist es trotzdem in der Nässe zu sitzen. Kaum sind die ersten Bissen hinuntergeschluckt, fängt es wieder an. Egal, da müssen wir durch. Zwei Wanderer kommen uns entgegen, es gibt also noch mehr „Verrückte“ die bei einem solchen Wetter unterwegs sind.

Weiter und höher rauf mit uns, es wird etwas heller, tatsächlich kann man kurze Abschnitte übersehen. Nochmal 5 Leute beim Abstieg, sogar mit kurzen Hosen, die sind auch gut drauf. Der erste Pass ist zu sehen mit Wegweisern zur Orientierung (Scatta d`Orogna 2461). Davor sind noch einige Blockfelder zu überwinden, dann stehen wir oben, neben zwei Italienern die in Ponchos gehüllt sind.

Einer deutet auf die Zeitangaben auf dem Schild (2 ½ Std.), schüttelt seinen Zeigefinger und sagt zu uns „no, no, no!“ und zeigt uns mit der anderen Hand 4 Finger. So in etwa haben auch wir die Zeitangaben schon einschätzen gelernt. Fazit; es ist besser man ignoriert sie einfach. Wir sagen Grazie und Tschüss und steigen vorsichtig den schmalen Pfad entlang, der eine steile Flanke quert.

Dank des Windes sind phasenweise nebelfreie, wilde, schöne Landschaften zu sehen. Eine tolle Gegend, wie wäre das erst bei blauem Himmel? Ca. 200 Meter runter, die wir natürlich bald darauf wieder rauf müssen. Die Querung zwischen den zwei Pässen ist das Kernstück der heutigen Wanderung. Ketten helfen vorbei an zerklüfteten, felsigen Wandfluchten. Der sehr schmale und „schiefe“ Steig ist vom Regen aufgeweicht dadurch noch unangenehmer als sonst. Und, es gießt wieder in Strömen.

Der Passo di Valtendra (2431) ist erreicht, aufatmen, jetzt geht es nur noch runter. Schöner gemächlicher Abstieg, kurzer Sonnenschein, Regen ade! An der nächsten Geländekante ziehen wir uns um. Ca. 5 Minuten freie Sicht nach unten und schon ist alles wieder zu. Die Abbrüche sind zwar steil, der Weg aber wunderbar angelegt.

Rufe von unten, gelten die uns? Nein, ein Bauer sucht seine Kühe. Wieder mal, Hochebene erreicht, neben einem Rinnsal weiter bis zum nahen Wald. Den Abzweig zum Lago di Bianco schenken wir uns. Noch eine halbe Stunde länger bei diesem Wetter, das muss nicht sein. Schöne Alpe Stalaregno mit rosigen Schweinen, jungen Ziegen und Kälbern.

Langsam sehnen wir uns nach unserem heutigen Ziel, Rifugio Citta di Arona. Noch 25 Minuten? Also besser 40! Durch schönen grünen Wald. Direkt am Waldrand steht das Rifugio, am Rande der Alpe Veglia mit dem Monte Leone als Blickfang. Aber wo ist der? Von im ist rein gar nichts zu sehen!

Erst mal rein in die gute Stube, runter mit den nassen Klamotten. Der Empfang ist dürftig, Nichtbeachtung. Stimmt nicht ganz, Elke, Katrin, Klaus und Moritz begrüßen uns herzlich. Die beiden Frauen hätten gewettet, dass wir bei diesem Sauwetter nicht gehen. Aber die Wirtsleute haben keine Zeit für uns, sie streiten gerade miteinander.

Im Gastraum die nassen Klamotten aufhängen? Nein, dürfen wir nicht. Also hoch ins Zimmer, so breiten wir sie im Zimmer aus, nachdem der riesige Hundekäfig draußen ist. Mussten erst die Wirtin darum bitten dieses Ungetüm aus unserem eh schon winzigen Zimmer zu entfernen. Ja, mit dem, hätten wir nie und nimmer Platz gehabt.

Abendessen; es gibt Polenta mit Käse (man das sättigt) und geröstete Auberginen plus Tomaten. Ein Blick durchs Fenster, da, der Monte Leone ist fast frei, schnell raus und Bilder machen.


37 Mi 09.08. Alpe Veglia - Trasquera/Varzo 11:00 Std. 14,9km 869 ^ 1466


Frühstück gibt es ab 7:00 Uhr, alle sind pünktlich da. Die Tour heute ist mit 7:30 Std. ausgeschrieben, die mögliche Variante ist auch nicht kürzer. Das Ziel ist noch unklar. Varzo oder doch nach Gondo? Der Abstieg nach Gondo wäre sehr steil heißt es und bei Regen nicht unbedingt ratsam. Wir werden am Pass entscheiden, so machen es auch Elke und Katrin. Für Klaus und Moritz ist es die letzte Etappe, ihr Urlaub geht dem Ende zu. Von beiden verabschieden wir uns ganz herzlich, “es war eine schöne Zeit mit Euch“.


Auf einem Pfad runter zur Forststraße, an einer tiefen Schlucht entlang zur Capella, da sehen wir die beiden ein letztes Mal. Serpentinen verlaufen nach unten, rechts würde der GTA (Sentiero die Scinc) abzweigen. Ein Schild warnt vor einer Begehung. Wir verzichten darauf und nehmen dafür mehr Höhenmeter (300 runter und wieder rauf) in Kauf. Es regnet zwar nicht direkt, die Bewölkung lässt aber nichts Gutes ahnen.

Wir verlassen die Fahrstraße und zweigen rechts ab, über uns eine Alm. Ziegen schauen frech herab, zwei Hunde blicken wachsam vom Dach des Wohnhauses zu uns herüber.

Dann tauchen wir in Wald ein, der uns erst eine halbe Stunde später wieder freigibt. Wieder mal eine Hochalm (Alpe Valle), die meisten der Gebäude sind leer, nur weiter unten sehe ich Kinder auf einer Schaukel hin und her schwingen. Wir suchen eine windgeschützte Stelle für eine Brotzeit. Ein paar Tropfen fallen, aber nur für kurze Zeit. Lange zieht sich die nächste Passage in Richtung Pass, bei Christa läuft es heute nicht so gut. Trotzdem, wir kommen voran. Die Alpe Balmelle taucht über uns auf, ein Wahnsinnsbild mit den hohen Bergen darüber, verschleiert mit Nebelschwaden. Auch für solche Ansichten lohnt es sich zu wandern. Bei den weiteren 200 Höhenmetern bis zum Passo delle Posette (2179), erfreuen wir uns an seltenen Blumen.

Varzo 3 ½ Stunden, Trasquera 2 ½ Stunden, zeigt ein Wegweiser an. Und nach Gondo? Da ist nichts beschrieben. Ein Blick in mein Buch zeigt, da hätten wir eher abzweigen müssen. Somit ist also die Entscheidung schon getroffen. „Trasquera hat auch Quartiere“, beruhige ich Christa, „wir müssen nicht unbedingt bis Varzo laufen“. Die Stadt ist weit hinten im Tal zu sehen, hinab sind es ungefähr 1400 Höhenmeter. Trasquera ca. 2/3 davon entfernt. So machen wir uns an den Abstieg. Der Steig ist wunderbar ausgebaut und hier südseitig, begrüßt uns ein wahres Blumenmeer.

Nochmal Pause bei einer alten Alpe, Regenkleidung drüber (ein paar Tropfen und Wind), Regenkleidung wieder aus. Über Wiesen, durch Wald, bis eine Straße kommt auf der wir weiterlaufen. Diabolosteig? Nein lieber nicht, in diese Schlucht geht es steil runter, Trasquera müsste da drüben sein. Eine gewaltige Brücke spannt sich über die Schlucht, das ist schon einfacher. Zwei Frauen kommen uns entgegen, unser Ziel werden wir wohl bald erreichen.

Agriturismo La Fraccia lesen wir am Ortsrand. Eine Frau kommt, ich frage nach dem Albergo La Sotta, die Frau deutet nach vorne, ca. 10 Minuten. Das Albergo hat mehr Betten, darum diese Wahl. Auf einem blumigen Pfad entlang, eine Kirche, noch weiter, hinterher ein größerer Platz und ein Trattoria. Ein Albergo haben wir nicht gesehen. Christa will schon weiter, ich gehe ins Trattoria um zu fragen. „Das Albergo ist da oben“, sagt die Wirtin und deutet mit einer Hand in Richtung Norden, „aber es ist geschlossen, schon einige Zeit!“ Bumm das sitzt. „Ich habe leider keine Übernachtungsmöglichkeit, aber es gäbe noch das La Fraccia“, glaube ich zu verstehen. „Ich rufe dort mal an“. Leider umsonst, es hebt niemand ab. Ich hole Christa, die auf der Straße auf mich wartet und erzähle ihr die Sachlage. Eine weitere Möglichkeit wäre noch, um 17:00Uhr mit dem Bus nach Varzo zu fahren. „Das werden wir auch machen“, meint sie, „umkehren tu ich nicht“.

Wir stehen da am Platz und warten auf den Bus, ein Mann kommt, eine Unterhaltung beginnt. Auch er erwähnt das Agriturismo, wie eine weitere ältere Frau, die sich sehr um uns bemüht und eine junge Dame mit Kleinkind. „Die haben sicher Platz“, ist der Tenor der drei.

Aber, 20 Minuten zurücklaufen in die Ungewissheit, wollen wir nicht. Nach wie vor geht niemand ans Telefon. Die Hilfsbereitschaft aber ist rührend.

Der Bus kommt, einsteigen, winken, Abfahrt und das wie! Das Auto vor dem Kleinbus möchte ich nicht steuern, ein Meter Abstand höchstens. Ruhig bleiben und staunen! Der Fahrer beherrscht das Fahrzeug, das wird bei der Weiterfahrt deutlich und beruhigt. Da noch andere Haltestellen angefahren werden, kommen wir in Varzo so um 17:45 an. Gleich beim ersten Albergo angefragt und eine Absage bekommen.

Rauf zur Kirche müssten wir, so der Tipp, da wäre ein B&B. Rauf zur Kirche ist ganz schön weit und dann? Zwei Frauen vor der Haustüre angesprochen, eine begleitet uns ein Stück weit. Bald darauf finden wir ein B&B, leider niemand da außer einem deutschen Paar. Auch die finden niemand, helfen aber weiter, indem sie ein 500 Meter entferntes anderes B&B für uns per Handy über Booking.com ausfindig machen. Danke! B&B gesucht, umzingelt und gefunden, auch niemand da. Die Telefonnummer, die an der Tür hängt angerufen. Auf Englisch die Bestätigung es ist was frei und die Anweisung wo das Zimmer zu finden ist. Da kein Restaurant in der Nähe ist, verzehren wir unsere Reste aus dem Rucksack.

 
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