San Lorenzo - Balme - Wandern so lange der Urlaub reicht

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2017 TurAlpZin / GTA ( Grande Traversata delle Alpi)

61  So 03.09.17 San Lorenzo - Noasca 7:30 Std. 15,8 km  978 ^ 952

Angenehme Atmosphäre beim Frühstück, Gernot und Gisela sind mit dabei und noch ein italienisches Pärchen. 10 Euro billiger als gestern, Brot für eine Brotzeit umsonst, plus Fanta von gestern Abend. Wir schlendern die Teerstraße entlang bis rechts der GTA abzweigt. Auf einem Felsen ist eine Liegebank befestigt, die muss ich natürlich gleich ausprobieren.

Auf verschlungenen Pfaden kämpfen wir uns dann aufwärts, kreuz und quer, stetig steigend, vorbei an den verlassenen Weilern Bertodasco und Perebella.

Deren Häuser, zum Teil mit Balkonen, verfallen so nach und nach. Die Bäume hier sind schon wesentlich höher als die Häuser, das zeigt, dass schon Jahrzehnte verstrichen sein müssen, seit die letzten Menschen hier gewohnt haben.

Trinkpause und später im Weiler Meinardi mit der Wallfahrtskapelle Sant` Anna eine richtige Pause. Es gibt einen Brunnen mit frischem klarem Wasser, die Aussicht ist super und die Sonne wärmt uns. Zwei deutsche GTA-Gänger kommen uns entgegen, nützen auch diesen schönen Fleck zu einer Pause. Ich „warne“ die beiden von dem Posta Tappa in Talosio. „Danke“, sagen sie und „so ähnliche Berichte haben uns auch schon andere Wanderer erzählt“.

Zwei Möglichkeiten zum Absteigen haben wir, einen Pilgerweg direkt unterhalb der Kapelle, oder den offiziellen GTA, den wir dann auch wählen.

Und der hat es in sich, schmal, steil, schottrig und zum Teil ausgesetzt, ohne jegliche Sicherung. Zwar links und rechts bewachsen, trotzdem überaus heikel. Höchste Konzentration, die Rucksäcke schieben, die Muskeln schmerzen. Christa „tänzelt“ voran, Martina und ich haben da größere Schwierigkeiten. Hier auszurutschen wäre nicht gut, lieber mal auf den Hosenboden setzen und Steilpassagen runterrutschen.


Auch das wird gemeistert, noch etwas über Blockgestein und durch Felder voller Brennnessel, dann tauchen wir ein in wunderbaren Buchenwald, durchsetzt mit Kastanienbäumen. Der Weg hier ist gesäumt mit Steinmauern.

Wir kommen bei einer Straße an, wechseln wieder auf einen Pfad, der uns direkt an zwei wild kläffenden Hunden vorbeiführt. Gott sei Dank sind diese angekettet. Der Fluss T. Orca wird überschritten, sein blau-grünes Wasser erinnert uns an die Soca in Slowenien. Daraufhin wandern wir auf dem Sentiero Natura stetig leicht aufwärts bis nach Noasca. Wo bleibt der Wasserfall, den der Alpenforscher Tschudi „von grauenhafter Schönheit“ nannte?

Wir vermuten in links des Weges, nach jeder Biegung sind wir enttäuscht. Dann aber ist Noasca gegenüber des Flusses in Sicht und der berühmte Noaschettafall stürzt hinter dem Ort von den Felsen. Eine Brücke überquert, gleich daneben steht das Albergo Gran Paradiso, die schicken uns weiter in ein anderes Albergo. Sie gehören anscheinend zusammen. Hier wird geschlafen und zu Abend gegessen, drüben nehmen wir das Frühstück ein und bezahlen die Zeche.

62 Mo 04.09.17  Noasca - Ceresole Reale   6:00 Std. 18,0 km 1235 ^ 825

Uwe aus Bielefeld gesellt sich beim Frühstück zu uns, warum soll er alleine sitzen? Ditmar und Ulrike sind auch da. So können Erfahrungen ausgetauscht werden. Hauptthema ist der gestrige Abstieg nach dem Weiler Meinardi. Dieser Teil der Strecke sollte dringend im Wanderführer aktualisiert werden.

Im nahen Laden kaufe ich frisches „Pane“ und Saft, mal ein bisschen Abwechslung zum obligatorischen Wasser. Zur Brotzeit unterwegs; brauchte ich die ersten Tage noch mindestens 2 Semmeln und süßes zusätzlich, so reichte nach ca. 1 Woche 1 Semmel und ein Riegel Müsli oder ähnliches. Der Körper gewöhnt sich langsam an das Gehen und den Anforderungen.

4 Kehren an der Hauptstraße hoch, rechts von uns rauscht der Wasserfall, dann ab auf den Steig, sagt uns das GTA Schild. Relativ steil durch Holz und Gebüsch bis bei Yarda eine Art Hochebene beginnt. Balmarossa Yarda, Maison Capelle und Potes sind „Geisterdörfer“. In früheren Jahren noch ganzjährig bewohnt, sind sie jetzt verlassen und zugewachsen. Ein Schulzimmer im Ruinendorf Maison wurde original hergerichtet und kann durch die Fenster betrachtet werden. Dort treffen wir alle wieder zusammen, Ditmar, Ulrike, Uwe und wir drei hübschen. Einmal mehr bewundern wir die schönen Malereien an den brüchigen Fassaden der Häuser.

In Capelle scheint wieder Leben zu sein, zumindest in den Sommermonaten wird eine Alm bewirtschaftet.

Nach der Hochweide ein Aufstieg zu einer Kapelle und weiter durch Wald zum Pra del Cres (1964) und Casa Bianca (1947). Eine traumhafte Gegend, ideal zum Verweilen und genießen. Später gesellt sich Uwe zu uns. Gesprochen wird wenig, jeder hängt seinen Gedanken nach, die Stille soll Stille bleiben. Es erfüllt mich eine große Dankbarkeit, dass alles erleben und in mir aufnehmen zu dürfen.

Neben dem Steig wachsen Bäume waagrecht aus dem felsigen Hang, um sich dann dem Licht entgegenzustrecken. Blauer Himmel, grüne Wiesen, Felsen, Gletscherblick, wir wandeln wie im Traum. Natürlich müssen wir auch heute wieder runter ins Tal. Diesmal auf „zahmen“ Wegen, mit Blick auf das blau-grüne Wasser des Lago di Ceresole Reale. Unterhalb der Staumauer liegt das Rifugio Fonti Minerali, wo wir übernachten.

Reicht das Bargeld? In den nächsten Orten gibt es keinen Bankomaten und ob in den Unterkünften mit Karte bezahlt werden kann ist zweifelhaft. Ob dieser Überlegungen gehen wir noch ohne Rucksäcke in den Ort, Zeit ist genug. Tatsächlich laufen wir noch mal 4 Kilometer und 150 Höhenmeter zusätzlich, dass hätten wir auch nicht gedacht.

Die Sonne ist weg, es wird kalt, da ist eine warme Dusche gerade richtig. Das Lager füllt sich, wir schlafen trotzdem gut.
Ulrike und Ditmar schlafen in einer anderen Herberge, hatten vorgebucht. Zum Abendessen kommen sie zu uns ins Rifugio Fonti Minerali, die wegen ihrer leckeren Pizzas einen guten Ruf hat. Es ist ihr letzter Abend auf dem GTA, wieder einmal heißt es Abschied nehmen.

63 Di  05.09.17    Ceresole - Pialpetta   9:00 Std.  16,6 km   1147 ^ 1551

André und Michael sind gestern angereist und haben ihre erste Etappe auf dem Fernwanderweg vor sich. Uwe bleibt noch mal eine Nacht hier, er fährt mit dem Bus zum Colle del Nivolet im Gran-Paradiso-Nationalpark. Von dort soll es einen schönen Trail geben. Würde uns schon auch reizen, aber auch unsere Tage gehen dem Ende zu. In Balme steigen wir aus, strategische Gründe sprechen dafür. Dann haben wir beim Wiedereinstieg im nächsten Jahr, nicht gleich eine 8 Stunden Etappe vor uns, mit knapp 1700 Aufstiegsmetern. So verabschieden wir uns auch von Uwe, wünschen natürlich alles Gute und stiefeln nach dem Frühstück wieder los. Zu letzterem war kein Personal anwesend, alles war gerichtet, der Kaffee in der Mikrowelle warm gemacht. Man kann es sich schon einfach machen.

Aufstieg bis zum gestauten See auf einem breiten Weg, vermutlich Skipiste, dann eine Zeit lang an im entlang. Die Sonne strahlt die hintere Bergwelt an, wir laufen noch eine geraume Zeit im Schatten. Der GTA zweigt ab, schlängelt sich nach oben, mal steiler, mal flacher. Nach ca. 1 Stunde ist die erste Hochfläche erreicht (Gran Ciavanna). So geht es weiter, viel im Wald und angenehm zu gehen.

Die Sonne gewinnt die Oberhand, die nächste Hochfläche und die nächste (Alpe Fumanova). Dort verlassen wir kurz den Weg und steigen über Almwiesen zu einer Geländekante, nicht ohne Grund, der Gran Paradiso zeigt sich hier in voller Pracht. Heute haben wir Wetterglück, glasklarer Himmel, kein Wölkchen trübt die Aussicht. Der Lago di Ceresolo Reale liegt inzwischen schon tief unter uns.


Es wird Zeit sich umzuziehen, die Sonne brennt. Hosenbeine runter, Jacke in den Rucksack, Sonnencreme aufgetragen und trinken. Trinken ist immer wichtig, so ein Beutel mit Schlauch ist auf Fernwanderwegen äußerst praktisch, der Rucksack muss nicht extra abgenommen werden um trinken zu können.

Wir sitzen gerade gemütlich in der Sonne, da erscheint ein komisches Tier, Komisch zumindest auf den ersten Augenblick. Hals und Kopf sind seltsam lang und groß. Wird wohl eine bestimmte Schafrasse gewesen sein. Ein „mäh“ war aber nicht zu hören. Aber es hatte einen Schluckauf, wir haben so etwas vorher noch nie gesehen.

Hunger haben wir noch keinen, also weiter. Der Aufstieg wird steiler, wieder eine Stunde vorbei, dann kommen sie doch, die Hungergefühle. Mein auserkorener Platz (breite Fläche mit großen Felsbrocken zum draufsitzen) gefällt den Frauen nicht, es stinkt ihnen zu sehr. Schafe und Ziegen haben für diesen unangenehmen Geruch gesorgt. Weitergehen oder nicht? Es wird gerätselt. Ich sage; „mir egal, macht was ihr wollt“, verschwinde hinter einem Felsblock zum Pinkeln. Dabei lasse ich mir alle Zeit der Welt.



Inzwischen sind Christa und Martina tatsächlich weitergelaufen, durch das steile Blockfeld in Richtung Gipfel/Scharte unterwegs. Schneller als gedacht stehen wir dann glücklich zusammen oben (Colle della Crocetta 2641). Wahnsinn! Dieser Blick, diese Aussicht, der kleine See da unten, wie weit man doch kommt, ohne zu rennen, eigentlich eher langsam, aber eben kontinuierlich und stetig.

Pause? Ein Stück weiter unten, hier weht ab und zu ein Lüftchen. Dann aber wird alles in vollen Zügen genossen, auf warmen Felsen. Ein älteres Paar kam uns beim Abstieg entgegen, jetzt laufen sie wieder an uns vorbei.


Mir graut etwas vor den 1500 Metern die es nun abzusteigen gibt. Aber, es sollte nicht zu steil werden. Auch da immer wieder Hochebenen, oder auch Querungen, was für willkommene Abwechslung für den Bewegungsapparat  sorgte.

Trotzdem sind wir froh, um 17:00 Uhr unten zu sein. Ins Posta Tappa? Wenig empfehlenswerte GTA-Unterkunft (posto tappa) im Erdgeschoss des Hauses, steht im Buch und Internet.

Darum haben wir beschlossen wir wollen ein Doppelzimmer, wenn möglich mit Dusche. So starten wir ins allererste Albergo, das sich uns in den Weg stellt. Und verstehen nicht, warum uns die Dame nicht haben will! Sie will uns ins Posta Tappa schicken, wir lehnen ab. „Bitte ein Angebot für ein Doppelzimmer“. Als wir dann lesen 58,00 Euro ohne Frühstück für eine Person, geben wir auf, also doch ins Posta Tappa?

Auf einer Terrasse sitzt ein Salzburger Paar (Andrea und Fritz), die geben uns den Tipp, die Straße runter wäre noch ein Albergo. Danke, jeder sein Zimmer mit Dusche, wesentlich billiger, speziell für GTA Wanderer.  Warum steht das nirgends?

64   Mi 06.09.17    Pialpetta - Balme  10:30 Std.  18,9 km  1625 ^ 1267


Wir wissen, der heutige Tag hat es in sich, da sollte man früh genug aufbrechen. Das Frühstück können wir schon um 07:00 Uhr einnehmen, das ist nicht in jedem Quartier möglich.

Ein kleines Stück müssen wir auf der Teerstraße gehen, bis ein Schild auf den Steig der GTA hinweist. „Balme 8 ¼ Stunden“  steht darauf und Colle di Trione 5 Stunden. Da wissen wir was uns erwartet. Trotzdem verfallen wir nicht in Hektik, gehen die Sache mit der nötigen Ruhe und Routine an.

Freuen uns auf Blumen und Sträucher, Hummeln und Schmetterlingen,  auf ungezähmte Natur. Schon beim Aufbruch ist klar, das Bilderbuchwetter von gestern wiederholt sich nicht, erste Wolken und Dunst ziehen hoch. Vorteil; es wird nicht so heiß, die Temperaturen sind ideal zum Bergsteigen.

Ein letztes Mal durchstreifen wir die Vegetationsgrenzen, erst nach oben, dann wieder nach unten. Wald, Almen mit Wiesen, Erlengebüsch und Brenneselfelder, Himbeer- und Blaubeerstauden, Blockgestein, blanke Felsen und so weiter. Wir kommen vorbei bei den Almen Gias Nuovo, Gias del Mezzo und Gias del Laghi. Michael und André treffen wir bei unseren zwei Pausen jeweils wieder.


Gespenstisch ziehen große Nebelschwaden hoch, verschwinden wieder, machen Berge und Gipfel sichtbar, bis sich der Vorhang wieder zuzieht. Ab und zu kommt die Sonne durch und bringt die drei See`n hier oben zum Leuchten. Der Lagi di Trione ist der größte von ihnen. Wir sind überrascht auf der höchsten dieser Hochebene Kühe zu sehen.

Einmal ist die Wegführung etwas unklar und laufen prompt in die verkehrte Richtung, gut das das GPS Alarm schlägt, den beiden Männern sollte es genauso ergehen. Teils ist das Erlengebüsch sehr dicht, da muss man sich so richtig durchkämpfen. Meter für Meter arbeiten wir uns nach oben, suchen die Bergkämme nach dem „Durchschlupf“ ab, sehen aber keinen.

Plötzlich eine Richtungsänderung nach Osten in weitem Bogen, sogar absteigend, wir sind verwundert, aber es stimmt. Darauf folgt auch bald darauf der finale Aufstieg. Ein Steilaufschwung und hinter einer Bergkuppe ist  die Scharte zu sehen. Zäh, sehr zäh geht es voran über ein riesiges Schuttfeld. Ein gewaltiger Kessel, überall Steine, Blöcke von groß bis riesig. Michael und André überholen uns noch mal, bald darauf stehen auch wir oben am Colle di Trione (2485).

Eine Frau kam entgegen, später noch mal ein Mann. Die Italienerin wollte am Fels bei uns vorbei, nicht außen bei der Kante, hatte wohl etwas Bammel. Martina reagierte ungewöhnlich scharf bei dieser Situation, das hatte ich bisher noch nicht bei ihr erlebt. So eine lange Wanderung laugt schon aus, ist der Körper nicht mehr fit, leidet auch das Gemüt.

Oben fällt eine Last ab, der Blick ins andere Tal ist zwar ernüchternd, keinerlei Sicht, der Blick zurück aber macht Stolz, durch dieses Geröllfeld sind wir aufgestiegen, da unten waren wir. Der Wind bläst kalt, das spüren wir schnell beim Abstieg, hier kann er so richtig „durchziehen“. Handschuhe, Stirnband und Jacke überziehen und runter ins erste Hochtal, wo wieder ein kleiner See (Lago Vasuero) blinkt. Nur Trinken und weiter, Martina hat auf dem Bergkamm Gemsen entdeckt, leider wieder mal sehr weit weg.


Oben beim Pass war ein Schild, „Balme 2 ½ Stunden stand darauf“, da kann ich nur lachen, es steht immerhin noch ein Abstieg mit über 1200 Metern an und wir wandern nicht auf einer Forststraße, sondern auf einem Bergsteig. Aber es sollte noch besser werden. Die nächste „Stufe“ runter, wo ein ausgetrockneter See umrundet wird und vor bis zu einem Kamm. Unten zeigt sich die Alpe Pian del Lago, im kleinen See steht eine Kuh, ihr Spiegelbild ist deutlich auszumachen. Nordöstlich verläuft der Weg an der Alm vorbei, wir entdecken einen großen Felsblock der für alle Platz für eine Rast hat. Wird Zeit, Christa murrte schon rum, ein Zeichen dafür, dass sie Hunger hat.

Ein weiteres Schild mit dem Hinweis, Balme sei nur noch 1 ¼ Stunden entfernt. Ich kann das nicht glauben, bei den Frauen löst es Freude aus. Der Wanderführer hatte recht mit der Warnung, „Achtung schlechte Wegführung, einige Lücken in der Beschilderung und Kuhpfade verwirren“. So staksen wir zum Teil Querfeldein über die Weiden in Richtung eines Geländeeinschnitts, überqueren einen Bach und finden den Pfad wieder. Nur noch 45 Minuten nach Balme!

Eine Forststraße ist erreicht, die Alpe Pian Bosco müsste bald kommen und ein neuerlicher Hinweis, „Balme 1 ¼ Stunden. Martina ist entsetzt, mich interessieren die Hinweise gar nicht mehr. Was hilft es auch zu lamentieren? Rein rechnerisch nach meinem Höhenmesser überrascht mich das nicht, liegt doch erst die Hälfte hinter uns.

Wir beschreiten noch mal einen steileren Abkürzer, holen die zwei Männer wieder ein, kurzer Ratsch mit ihnen und wieder, immer weiter. Bei Molero stoßen wir auf ein Teersträßchen, kürzen die Serpentinen auf Pfaden ab und sind endlich auf der Talstraße. Zweieinhalb Kilometer folgen wir dieser und erreichen schließlich Balme. Je weiter wir vom Berg herunterkamen, desto besser wurde die Sicht. Vor uns glaube ich, das „Matterhorn der Lanzotäler, den Uia di Mondrone gesehen zu haben.

Albergo Camussot ist der Tipp von Martina, dort wollen wir übernachten. Auf dem Weg dahin kommen zwei Herren mit einem Hund auf uns zu, einer spricht uns an. „Das Albergo ist zu“, glauben wir zu verstehen und entscheiden nach „zu langem hin und her“, doch das Posta Tappa „Les Montagnards“ aufzusuchen.

Das ist zwar schon voll, die Herbergsdame hat aber schon nebenan angefragt und wir werden bald darauf abgeholt. Ein tolles Zimmer für uns und ebenfalls eins für Martina. Essen gibt es im Posta Tappa, da sitzen auch Andrea und Fritz, Michael und André. Noch weitere 8 Gäste sind deutschsprachig.

Do 07.09.17 Heimreise

Frühstück um 07:30 Uhr mit allen anderen Gästen. Heute sind wir es die Abschied nehmen       
müssen. Besonders der Abschied von Martina fällt schwer, sie war 19 Tage lang unsere Begleiterin, da gewöhnt man sich schon sehr zusammen. Martina schreibt täglich einen Blog (sofern sie Internet hat), den werden wir natürlich fleißig verfolgen, sie läuft ja weiter bis nach Monaco. Alles Gute Martina!

Um 09:40 fährt der Bus ab bei der Kirche in Balme, so steht es auf dem Fahrplan,  im Internet und auch der Wirt sagt es uns so. Wir sind schon zeitig vor Ort, sitzen bei der Post auf einer Bank, nicht weit davon ist ein Laden mit Cafe.

Ein Bus kommt von unten, es ist 09:30 Uhr, bald wird er zurückfahren, so denken wir zumindest. Stehen pünktlich an der Haltestelle und warten. Es ist 09:45 Uhr, na ja in Italien sind sie halt nicht so pünktlich. So warten wir halt weiter. Gegen 10:00 Uhr werden wir unruhig, beim Laden würde ein Taxi stehen, noch gehe ich aber nicht rein und frage. Das mache ich dann um 10:15 Uhr.

Der Taxifahrer und die Ladeninhaberin erklären mir, kein Taxi nötig, da der Bus sowieso gleich kommt und zwar um 10:20 Uhr. So ist es dann auch. Das Ticket kann man im Bus lösen, ab geht es bis nach Ceres. Dort umsteigen und weiterfahren bis nach Germagnano. Die Straßen sehr kurvig, es geht ständig bergab. Schöne Landschaften, schöne Dörfer.

Von Germagnano fährt ein Zug nach Torino Corso, das Ticket wird im Zug gelöst. Wir freuen uns schon, bald in Turin zu sein, nur noch umsteigen zu müssen in den nächsten Zug nach Verona. Aber, Puste Kuchen, noch mal mit einem Bus und quer durch Turin, der Hauptbahnhof liegt ganz wo anders, erklärt die Dame am Schalter. Linie 11 oder 52, beide können genommen werden. Also raus aus dem Bahnhof und zu den Bushaltestellen. Etwas hilflos stehen wir da, welcher Bus fährt wann wo weg und wohin? Gegenüber, auf der anderen Straßenseite ist auch eine Haltestelle. Auf den riesigen Abfahrtstafeln stehen mindestens 50 Haltestellen. Bus 52 lesen wir, müsste kommen und ist schon vorbei, ehe wir reagieren können.

Wieder rüber auf die andere Seite, Bus 11 kommt, ich will ein Ticket lösen, geht nicht, „ist im Bahnhof zu kaufen“, bekomme ich zur Antwort.
Tja, wir sind in der Stadt, da gelten andere Regeln als auf dem Land, wo wir die Fahrkarten im Bus bekamen. Wir meckern etwas über die Frau am Schalter, die kann aber auch nichts dafür. Rein in den Bahnhof wo wir uns an den Automaten versuchen. Christa schafft es, die richtigen Tickets zu bekommen.

Wir fahren so dahin, wo wir aussteigen müssen, ist uns noch nicht so klar. So nach und nach aber durchschaue ich das System und tatsächlich, obwohl kein Hauptbahnhof in Sicht ist, dränge ich zum Aussteigen. Kurz um die Straßenecke – Turin Hauptbahnhof. Der Rest ist dann Routine. Wir fahren bis Verona, 45 Minuten Aufenthalt, dann durch bis Rosenheim. Nach nochmals 45 Minuten warten, sind wir um 23:00 Uhr in Wasserburg Bahnhof und laufen von dort nach Hause.

Fazit: ein wunderbarer langer Urlaub mit vielen Eindrücken von einer tollen Gegend. Aber auch anstrengend. Es ist wichtig die richtige Mischung von Erholung und Anstrengung zu finden.


 
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