Haidmühle - Schwarzenberg/Österreich - Sonnen - Wandern so lange der Urlaub reicht

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Goldsteig 2020

15  24.08.2020  Montag Haidmühle  -  Schwarzenberg 18,8 km  653 ^ 745
    08:30 – 17:00                                     Hotel Bergkristall


07:30 Uhr Frühstücken ist ausgemacht, die Dame des Hauses ist noch beim Bäcker. Die Speisen sehen gut aus, trotzdem fühlen wir uns nicht ganz wohl in unserer Haut. Der Mann oder Lebensgefährte oder sonstwer, hat mit der Pension nicht viel zu tun, das spürt man. Die Unterhaltung ist eher oberflächlich. Die frischen Semmeln kommen, auch heute zu bemerken, sie hat Stimmprobleme, spricht sehr leise.
Das Telefon klingelt, wir können mithören. Eine Wanderin sucht ein Zimmer, wir gucken uns an und denken beide das gleiche.

Raus aus dem Haus und dem Goldsteig gefolgt, plötzlich Rufe von hinten, haben wir was vergessen? Nein, der Mann deutet an, wir sollen einen anderen Weg nehmen. Wenn er sich schon solche Mühe gibt, nehmen wir an und sollten es nicht bereuen. Auf Teerstraßen zur stattlichen Kirche, ein Blick hinein und auf Teer weiter, immer ansteigend. Wieder ein sonniger Tag, vereinzelt ist in Talnähe noch Nebel.

Rechts öffnet sich ein religiöser, sehr schöner großer Rastplatz mit Kapelle. Wirklich toll angelegt. Im Glockenturm der Marienkapelle ertönt stündlich das „Ave Maria von Lourdes“. Dass wir wenig später wieder einige Höhenmeter absteigen müssen, erfreut uns allerdings nicht. Gehen vorbei an einem Auto, das Fenster ist geöffnet, wir sagen laut Guten Morgen. Der Hund darinnen bellt, der Fahrer sagt; „Sei ruhig!“

In der Gegend der Kreuzbachklause dreht sich ein Wasserrad, dann tauchen wir ein in eine wunderschöne Gegend. Wasserfälle, Blumen, Libellen, Hoher Farn, Wurzeln und Felsbrocken, Sträucher. Durch all das schlängelt sich der Steig. Es geht leider nicht ewig so dahin, nach einer guten halben Stunde stehen wir wieder auf Forststraßen. Irgendwann nützen wir eine der spärlichen Sitzbänke für eine Pause.

Es wird steiler, auf dem breiten Weg kommen ein paar Leute entgegen, die Fernsicht wird immer schöner. Die ersten Felsbastionen werden sichtbar, da waren wir schon einmal mit den Turners. Erinnerungen werden wach.

Auf dem breiten Bergrücken tummeln sich viele Leute, wir wandern zum Hochstein (1333), ich steige hinauf. Statten der Bischof-Neumann-Kapelle einen Besuch ab und suchen ein windgeschütztes Plätzchen und vertilgen unsere Brotzeit. Beim Gasthof Dreisesselberg kaufen wir uns noch ein kühles Getränk.

Für unseren Weiterweg wählen wir die Kammvariante, der Grenze entlang, der Goldsteig würde durch das „steinere Meer“ führen. Herrliche Aussichten tun sich auf beiden Seiten auf. Zwischen den braungrauen, abgebrochenen Totholzstämmen wachsen grüne Büsche und Sträucher, die Natur erholt sich wieder. So knappe 5 Kilometer zieht sich der Weg dahin, mit langen Auf- und Abstiegen, vorbei an malerischen Felsvariationen, bis zum Dreiländereck.

Herrliches Wanderwetter hat viele Leute hierhergelockt, die wie wir das wunderbare Panorama genießen. Runter mit uns. Unser heutiges Quartier liegt in Österreich, genauer in Schwarzenberg. Wollten uns ursprünglich in den Lackenhäusern bzw. im Wirtshaus zum Rosenberger Gut einnisten, daraus wurde allerdings nichts. Mehrere Anrufe dort fruchteten nicht. So suchen wir eine andere Route und sagen dem Goldsteig für heute Ade. Können unser Glück kaum fassen, einen solch tollen Steig gefunden zu haben. Zwar schon mit gutem Gefälle (aufpassen!) aber was für eine wunderbare Gewächse rund um uns herum.

Grüntöne in allen Facetten, der Farn teils mannshoch, ein tief eingegrabenes Geläuf. Später im Wald stolpern wir über Felsbrocken und Wurzeln, einen großen von der Sonne beschienenen Felsklotz nützen wir für eine Pause. Darauf winzig kleine lila Blumen. Die Natur ist schon einzigartig. Und der Mensch?

Ein Wanderer fragt nach unserer Tour, er kennt den Goldsteig noch nicht. Wieder eine andere fragt nach der Richtigkeit des Weges zu ihrem Parkplatz. Da können wir leider nicht helfen. Sehen später, 200 Meter weiter kommt das erlösende Schild.

Vom Parkplatz schließlich wandern wir auf Teer weiter. Haben nichts dagegen, der Abstieg hat Kraft gekostet. Sehen die Kirche von Schwarzenberg erhaben auf einem Hügel stehen, da brauchen wir nicht mehr rauf, das Hotel Bergkristall liegt unterhalb.

Auf der großen windgeschützten Terrasse nach der Zimmerbelegung leckeren Cappuccino getrunken, der Wirt hat einiges zu tun. Beim späteren Abendessen entscheiden wir uns für einen Salat und Pizza. Stellen fest, das war eindeutig zu viel, nun dann gibt es morgen kalte Pizza als Wegzehrung. Die Mama des Wirtes muss einen Rollator benutzen, meint aber schon noch in der Küche helfen zu können.

Der Seniorwirt läuft noch geschäftig zwischen Tresen und Küche hin und her. Ganz so glücklich scheint der Wirt darüber nicht zu sein.
     
16  25.08.2020  Dienstag Schwarzenberg -   Sonnen  22,0 km  270 ^ 210
09.30 – 15:15                                                   Gasthof Andorfer

„5 Jahre werde ich das Hotel mit Gaststätte noch führen und dann verkaufen“, erzählt der Chef uns beim Frühstück. „Keines meiner drei Kinder hat Interesse daran es weiterzuführen“. „Ich habe es selber mit großer Leidenschaft so aufgebaut wie es jetzt ist und bin stolz darauf“, erläutert er weiter, mit einem etwas traurigen Ton.

Anstatt das ich beim Bezahlen mit der Karte frage; „geht das auf/mit Karte“? Sage ich, „geht das aufs Haus“? Er schaut verwundert und fängt dann laut zu lachen an, wir natürlich mit.

Wo ist der Weg? Nach 2 Versuchen sind wir fündig. Der von Komoot vorgegebene Pfad ist scheinbar zu, egal, der Umweg ist nicht groß. Der Ort ist bald verlassen, neben Wiesen und kleinen Wäldern geht es flott dahin.

Nach einer halben Stunde ist das Goldsteigzeichen wieder da, drei Wanderer kommen aus dieser Richtung. Passieren die beschriebene Einsiedelei, die relativ flache Schotterstaße bringt uns zu einer Brücke die über die Große Mühl führt. Die dortige Sitzbank steht leider im Schatten, aber es zieht nicht. Der kalte Wind beeinträchtigt die warmen Strahlen der Sonne sehr.

Beim Blössl-Hammerwerk die erst Steigung heute hinauf nach Breitenberg. Gehen nicht in den Ort hinein, sondern umrunden diesen in westlicher Richtung. Kühe liegen gleich hinter dem Zauneintritt breit auf dem Weg. Sollen wir sie aufscheuchen? Wir entscheiden außerhalb herumzusteigen, ist zwar beschwerlicher, aber so haben sie ihre Ruhe.

Nach einem Stück durch Wald mit hohem Springkraut links und rechts des Weges, tun sich schöne Blicke auf den Ort Breitenberg auf, der malerisch zwischen zwei grünen Hügeln liegt. Ein Pfad weist uns wieder in ein Tal, der nächste Bach überquert, drüber wieder ein Anstieg mit super Blick auf den Dreisesselberg.

Überhaupt ist die ganze Kette an Bergen zu sehen, wo wir gegangen sind. Schon beeindruckend. Ein Wegweiser zeigt nach „New York“, dorthin wollen wir nicht. Auf einem Stempen sind gleich drei verblichene Goldsteigzeichen, da wir nicht richtig schauen, laufen wir daran vorbei und müssen wieder umkehren. Nach einem Anstieg über Wiesen leuchtet der Badesee von Gegenbach in geringer Entfernung herauf.

Da müssten doch Bänke zur Rast sein, denke ich mir. Denkste! Keine einzige, soweit ich auch sehen kann, so zwängen wir uns auf das schmale Brett bei der Infotafel. Ein Wanderpaar zieht vorbei, sie fragt nach dem Weg, er läuft ohne Gruß die Straße hinab. Später sehen wir die beiden auf der anderen Seeseite, sie nimmt ein Bad.

Etwas kreuz und quer ist die weitere Wegführung, passieren dabei die Baptist-Kitzinger-Sprungschanze und kommen zum Ort Rastbüchl. Dahinter steil einen Berg hinauf, links plätschert ein Bächlein.

Weing später stehen wir vor einer Kapelle und einem Schild; „Gesperrt wegen Waldarbeiten, bzw. Umweg“. Sogleich beschließe ich, auf der Teerstraße links weiterzugehen, es kommt ja dann wieder ein Abzweig. Christa will noch etwas sagen, ich aber bin schon wieder weg und so kommt sie gar nicht mehr zum Reden.

Beim Abzweig dann die durchaus richtige Feststellung von ihr, „nützt uns nichts, da kommen wir wieder in das gesperrte Gebiet“. Da erst bemerke ich meinen Fehler, hätten doch weitergehen sollen, es hat ja geheißen „Umleitung“. So laufen wir einen riesen Umweg auf Teerstraßen, der weh tut. Ein Bushäuschen lässt uns nochmal rasten, dann die letzten zwei Kilometer.
Kaffee und Eis im netten Garten beruhigen unsere Gemüter wieder.

Letzteres Bild schickten wir nach einer Nachfrage einer unserer Enkel wo wir den seien über WhatsApp nach Hause. Darauf die entrüstende Antwort unseres vierjährigen Enkels:"Oma, Opa wie könnt ihr ohne mich in den Urlaub gehen." :-)

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü