Edling - Wallgau - Wandern so lange der Urlaub reicht

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2017 TurAlpZin / GTA ( Grande Traversata delle Alpi)

Beim Stöbern im Internet nach Weitwanderwegen stoße ich auf den GTA (Grande Traversata delle Alpi). Was ich da entdecke macht mich neugierig und begeistert mich schließlich dermaßen, dass ich mich mit Lektüre darüber eindecke. Den Rother Wanderführer und gleichnamigen Bildband von Iris Kürschner und Dieter Haas, die zwei Teile des GTA von Werner Bätzing und zuletzt den Bildband „Der Weg“ -  „Vom Monte Rosa zum Mittelmeer von Eberhard Neubronner.

Beim Schmökern und Schwärmen wird natürlich auch Christa darauf aufmerksam und ist nicht abgeneigt davon, diese Route zu beschreiten. Was etwas stört, ist, dass der Start über 550 Kilometer von uns zuhause entfernt ist. Wenn, dann wollen wir ja wieder von unserer Haustüre weg starten. Eine Route dahin (andere Fernwanderwege) kann ich leider keine finden. Da muss ich mir selber was zusammenzimmern. In dem Navigationsprogramm von Komoot (welches mir schon viele gute Dienste erwiesen hat), gebe ich die wichtigsten Daten ein und schon bin ich mittendrin. Möglichkeiten dorthin zu kommen, gibt es viele. Über den Malojapass, den Brenner, den Fernpass usw. Zu beachten ist natürlich wie immer, wann wir gehen wollen und können, bzw. wie um diese Zeit die Witterung ist. So gut wie alle Ferientage sollen genützt werden.

So entscheide ich mich für eine Strecke über Bad Tölz, Kochelsee, Garmischpartenkirchen, Nassereith nach Imst. Das weitere wird sich geben. Und dieser Weg von der Haustüre zum Capanna Corno Gries ist ein Fantasieweg und wir nennen in TurAlpZin-Weg.

01  02.01.2017 Edling   –  Grafing/Bahnhof  24,3  414 ^   303


Schon in den Weihnachtsferien reift der Entschluss, einige Tage gehen zu wollen. Zudem ist das Wetter geradezu ideal. Zumindest bisher, es sollte heute schon anders werden. Beim Weggehen zumindest haben wir noch Sonne, wenn auch die Luft etwas „schattig“ ist. So laufen wir wieder einmal mit unseren Rucksäcken durch den Ort. Ungewohnt ist dabei sicherlich die Zeit. 2. Januar, die spinnen die Turzins, werden sich wohl ein paar Leute gedacht haben.


Das Navi führt uns nach Dirnhart, in den Pfaffinger Wald den wir bei Oberübermoos wieder verlassen und über Unterübermoos Kurs nach Steinhart aufnehmen. Mächtige Nebelschwaden verdecken die Sonne erst noch, nur zögernd gewinnt sie schließlich für kurze Zeit die Oberhand. Ah, das tut gut, das wärmt Körper und Geist.

Drei mächtige Pferde posieren nach Steinhart für ein paar Aufnahmen, dann marschieren wir auf für uns noch unbekannten Pfaden (obwohl so nah der Heimat) weiter nach Potzmühle. Bis Oberndorf weht uns ein kalter Wind entgegen, der uns erst nach der Frauenneuhartinger Filze nicht mehr erwischt. Ein Wald schützt uns.

Gibt es in Jakobneuharting eine Gaststätte zum Aufwärmen? Brotzeit haben wir zwar dabei, bei diesen Temperaturen nassgeschwitzt draußen zu sitzen ist kein Vergnügen. Gaststätte ist vorhanden, wegen aufwendiger Reparaturarbeiten aber geschlossen. Also weiter zur Kirche, dort müsste zumindest ein windgeschützter Platz sein. Gerade überqueren wir die Straße, als ich Christa das Wort „Berta“ sagen höre. Nur wenig später weis ich was das bedeutet. Gleich im gegenüberliegenden Haus wohnt eine Arbeitskollegin von ihr. Sie ist gerade eben mit dem Auto heimgekommen und trifft nun auf uns, die verrückten Wanderer.

Berta lädt uns ein in die warme Wohnung zu kommen, da lassen wir uns nicht zweimal bitten. So ein Glück aber auch – aber ist das wirklich Glück? Oder Fügung? Immer wieder haben wir auf unseren Wegen ähnliche Erlebnisse, die alle nur mit dem Begriff „Glück“ abzutun, wäre zu einfach.

Sogar bekocht werden wir noch, die Gastfreundschaft ist einmalig. Mit Bertas Mann, zwei Töchtern und ihr sitzen wir am Tisch und lassen es uns schmecken. Gesprächsstoff haben wir natürlich genug. „Müsste ich euch kennen“? begrüßte uns eine der Töchter, wir könnten ja auch entfernte Verwandtschaft sein. „Nein“, beruhigt Berta, „nicht vom Sehen, aber von meinen Erzählungen“. „Das sind nämlich die, die auch den Jakobsweg schon gegangen sind“.

Die Zeit vergeht schnell, erst gegen 14:20 sind wir wieder auf der Straße, bis zum Ziel dürften es noch 10 Kilometer sein. Und die Tage sind noch recht kurz, besonders bei einem bescheidenen Wetter wie heute.

Frisch gestärkt und aufgewärmt folgen wir der Hauptstraße, bis bei Schaurach ein Weg nach Straußdorf führt. Von dort auf Feldwegen nach Elkofen und das Schloss fotografiert. Es hat zu schneien begonnen, meine Orientierung funktioniert schon eine geraume Zeit nicht mehr, blind verlassen wir uns auf die Stimme aus dem Navigationsgerät. Links, rechts, links, geradeaus und wieder links. Besonders im Siedlungsgebiet bei Grafing ein für mich undurchschaubares hin und her. Es wird auch dunkel, dank Straßenbeleuchtung verzichten wir aber auf unsere Stirnlampen.

Kurz darauf stehen wir tatsächlich am Bahnhof. Die 45 Minuten Wartezeit verbringen wir im Kiosk, warmen Kaffee gibt es leider keinen mehr.

02  06.01.2017 Grafing Bahnhof - Aying   21,9   381 ^   302             10:15 – 17:00

Der Zug bringt uns nach Grafing Bahnhof. So um 10:15 Uhr versuche ich den Einstieg zu finden. Nach anfänglicher Verwirrung merke ich, wir müssen unter den Geleisen durch, drüben führt die Route weiter. Es ist gut kalt, wir sind froh nicht schon um 8:00 Uhr gestartet zu sein. Ein wenig wärmt die Sonne schon, als wir den Hügel nach Alxing hochsteigen, ein paar Spaziergänger kommen uns entgegen.

Im Ort begegnen wir den heiligen drei Königen. Ein gutes Omen? Traumhaft schön dann die Wanderung durch das Brucker Moos. Die Sonne beleuchtet die Eis erstarrten Bäume und Sträucher, welche das Licht in verschiedenen Farben reflektieren. Der Schnee knirscht unter den Füßen. Auch graue Töne können schön sein!

Beim Gut Sonnenhausen rätseln wir mal wieder um den Weiterweg. Wo uns das GPS rein führt ist ein Parkplatz ohne Zuweg von der anderen Seite. Eine Straße führt auch weiter, aber die kann es nicht sein, die verläuft ja in eine ganz andere Richtung. Ich stapfe durch den Schnee (keinerlei Fußspuren) und glaube im Wald einen Hohlweg zu finden, der mit allerlei liegengebliebenem Geäst übersät ist. Christa sagt: „Wenn das ein Weg ist, bin ich Schneewittchen“. Und so laufe ich die weitere Strecke eben mit Schneewittchen weiter.

Es stimmte, der Abstieg über dieses zugeschneite Geäst war zwar etwas holprig, aber zu meistern. Ganz bewusst habe ich die Strecke über Glonn gewählt, sollte das Wetter total schlecht sein, könnten wir uns zumindest in einer Gaststätte aufwärmen. Brauchten wir heute nicht. Neben dem schönen Spazierweg lädt uns eine Bank ein, kein Wind von links oder rechts, dafür die Sonne.

Zwei vorübergehenden jungen Frauen fallen unsere großen Rucksäcke auf und fragen was wir vorhaben. Auch sie wandern gerne, eine ist schon ein Stück auf dem E 5 gelaufen. „Nein du darfst nicht auf den Schoss der beiden da springen“, ruft eine Frau und hält ihren Pudel fest an der Leine. „Das ist doch immer das gleiche mit ihm, sobald er Leute sitzen sieht, will er auf deren Schoss sitzen“. Wir schauen ihren Bemühungen den Hund zurückzuhalten, amüsiert zu.

Was das wohl für ein Gebäude ist, da oben auf dem Berg? Es war das Kloster Zinneberg, stellte ich bei späteren Recherchen fest. Der weitere Weg führte uns in Richtung Kastenseeon, vorher aber besichtigten wir die Glonner Grotte.

Dann verschwanden wir für längere Zeit im Wald, genauer im Egmatinger Forst, der uns erst kurz vor Aying wieder frei lies. Im „Freien“ merkten wir bald, dass es kälter geworden ist, ein schöner Sonnenuntergang entschädigt etwas die frostigen Temperaturen. Jetzt galt es ein Quartier zu finden, der Brauereigasthof Hotel Aying ist uns aber zu teuer. Am Bahnhof soll es den Kastanienhof geben, der wurde schnell gefunden und hatte ein freies Zimmer. Die Atmosphäre darin? Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

03  07.01.2017 Aying   - Dietramszell  28,5   344 ^   262           9:20 – 18:15

Das Personal kommt erst gegen 11:00 Uhr, somit gibt es leider kein Frühstück im Kastanienhof.

So machen wir uns gegen 8:15 Uhr auf den Weg um ein Cafe zu suchen. Dort drüben steigen gerade ein paar Leute ins Auto, die frage ich. „Im Zentrum gibt es sicher ein paar Cafe`s, aber ob die schon auf haben“? „Besser ihr geht zum Edeka, das liegt näher und die haben einen Bäckerladen und ein kleines Cafe mit dabei“. Danke! Nach reichlichem Frühstück raus in die Eiseskälte. Der Himmel ist bewölkt, ein eisiger Wind pfeift, hier in dieser freien Fläche kann er sich so richtig austoben. Die landschaftliche Stimmung gefällt uns aber trotzdem. Bald ist der Hofoldinger Forst erreicht, die Temperaturen werden etwas angenehmer.

Endlos lange laufen wir durch die wie Planquadrate angelegte Gegend, sind froh „navigiert“ zu werden, manche Wege sind nach Waldarbeiten nicht vom Geäst gesäubert worden, tiefe Traktorspuren erschweren das Gehen zusätzlich. Nur bei der Überquerung der Autobahn wird die Eintönigkeit unterbrochen.


In Otterfing steuern wir die erste Gaststätte an, welche aber nur Menüs anbieten. Die nächste aber hat meinen gewünschten Leberkäs mit Ei. Zehen, Finger und Körper wärmen sich wieder, es kann weitergehen. Wieder tauchen wir in tiefen verschneiten Wald ein, teilweise noch ohne Spuren. Eine Frau die entgegenkommt führt ihr Pferd. Erstaunt betrachtet sie unsere Rucksäcke und fragt schließlich nach dem woher und wohin unseres Weges. Schon sind wir in ein Gespräch vertieft. Wie wir genießt sie die Einsamkeit und Ruhe dieses Waldes, fragt aber auch etwas besorgt nach unserer Orientierung.

Sie hat Recht, hier kann man sich schnell verlaufen, immer wieder zweigen Wege ab, die Beschilderung ist sehr mäßig. Unser Ziel werden wir heute wohl nicht vor einbrechender Dunkelheit erreichen, auch da können wir sie beruhigen, haben ja Stirnlampen dabei.

So ziehen wir weiter und weiter, kurz vor Reith wird es immer dunkler. Kann man der Traktorspur trauen? Ja, und Gott sei Dank ist auch wieder ein Weg erkennbar. Dann noch mal in die Pampa, Christa hat etwas Bammel, noch mal in einen ungespurten Wald? Nein, hier über diese Wiesen sind schon einige gelaufen und im Wald ist der Weg breit und gut zu erkennen. Trotzdem die Stirnlampen raus, wir wollen ja auch gesehen werden, um für Jäger nicht mit Wild verwechselt zu werden.

Dann ist auch schon Dietramszell erreicht mit der Gaststätte Klosterschänke. Gäste der dort stattfindenden Geburtstagsfeier, haben laut dem Wirt schon alle Zimmer belegt, also weiter. Auf meine Frage nach einer anderen Übernachtungsmöglichkeit verweist er auf den Gasthof Liegl in Obermühltal und ruft dort auf meine Bitte hin auch an. Zimmer frei, wir können kommen. Ca. 20 Minuten laufen wir die Straße entlang, die Wirtsleute sitzen schon wartend am Fenster, mit Wanderern haben sie nicht gerechnet!

Duschen, tut das warme Wasser gut! Runter zum Abendessen, der Wirt leistet uns eine angenehme Gesellschaft. Die Gaststätte die nur noch sporadisch für ein paar Stammtische geöffnet ist, wurde schon des öfteren für Filmdreharbeiten genützt. Insbesonders für die Serie „die Rosenheim Cops“. Der Wirt erzählt einige Anekdoten davon.


04 08.01.2017 Dietramszell  - Bad Tölz  12,5   212 ^   163      9:00 – 12:40

In der Nacht ist einiger Schnee gefallen, auch jetzt ist immer wieder mit Schauern zu rechnen. Bevor wir uns aber zu große Gedanken über die winterlichen Bedingungen machen, genießen wir erst mal das Frühstück.

Wir nützen die Tölzer Straße für unser Vorwärtskommen, die von Komoot vorgeschlagene Route verläuft ungespurt in der Pampa. Das tun wir uns nicht an, im Tiefschnee bis nach Bad Tölz zu stapfen. Am heutigen Sonntag herrscht fast kein Verkehr auf der Straße, der Winterdienst hat noch alle Hände voll zu tun, um die Straßen zu räumen. Die Straße verläuft über Kirchbichl nach Ellbach, wo wir sie dann bei einem Seitenweg verlassen.

Bald stoßen wir auf die vorgeschriebene Route, die uns letztendlich zum Bahnhof bringt. Immer wieder schneite es während der guten 3 Stunden langen Wanderung, es war aber merklich wärmer als die zwei Tage zuvor.

Wir haben noch genügend Zeit ein Ticket zu kaufen, um 13:00 Uhr sollte die Abfahrt sein. Dass der Zug 10 Minuten Verspätung hatte, störte uns nicht im geringsten. Wir entscheiden uns über München zu fahren (Alternative Rosenheim) und sitzen somit gute zwei Stunden im Zug mit zwei Mal umsteigen. Diese Zeit kam uns überhaupt nicht lange vor. Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause treffen wir auf eine Bekannte, sie ist etwas erstaunt über unser Outfit, was wir aber schnell erklärt können (sie kennt unsere Vorliebe für Fußreisen).

05 26.02. So Bad Tölz - Lenggries    10:30 – 14:15  14,0 110 ^ 110

Michaela und Martin Tauchmann bringen uns nach Bad Tölz. Sie wollen an diesem Sonntag Langlaufen und warum nicht in dieser Gegend? „Euch wäre damit geholfen und für uns sind das keine Umstände“, meinen beide. Na denn, das Angebot nehmen wir gerne an, Danke!

Nach ca. 1 ½ Stunden Fahrt haben wir den Bahnhof in Bad Tölz erreicht, ein gemütliches Cafe ist nicht in Sicht, so trinken wir halt im nahen Burgerking einen, die beiden laden wir natürlich gerne ein. Dann marschieren wir los, erst mal in Richtung Altstadt. Dabei besichtigen wir die Kirche Mariä Himmelfahrt in der Altstadt und laufen anschließend den Hauptplatz runter zur Isar.


Bereits 2011, auf dem Weg nach Venedig, haben wir die Brücke überquert und sind der Isar entlang nach Arzbach gelaufen. Mein Navi zeigt uns diesmal ein paar Pfade direkt am Ufer an, das nützen wir gerne. Ob der Künstler Karl-Heinz Fett seine Pyramiden am Ufer der Isar schon wieder aufgebaut hat, erschloss sich uns leider nicht. Wir sind vorbei gegangen und umkehren wollten wir nicht. Nach Recherchen im Internet hat er die letzten 2014 gebaut, ob da noch was übrig ist?

Das Wetter präsentiert sich besser als angekündigt, sogar die Sonne wärmt uns zwischendurch. Mal Pause machen wäre nicht schlecht, die erste Bank erscheint mir aber noch zu früh, die zweite steht im Schatten, aber dann, dort vorne, die ist ideal. Aber, 5 – 6 Leute kommen uns entgegen, ein Gespräch entsteht, derweil nimmt ein Pärchen mit zwei Kindern Platz. Nun die haben es sicher auch verdient in der Sonne zu sitzen.

Und so ein Ratsch mit wildfremden Personen ist ja was Schönes, es zeigt die Neugierde die unsere Rucksäcke wecken. Und ein schöner Platz für uns beide wurde einige hundert Meter weiter auch gefunden, auf einer sonnigen Lichtung im Wäldchen.

Gerade noch bevor sie zur Nachmittagspause absperren, erreichen wir unser Quartier und machen es uns gemütlich. Das Packen, die Fahrt und die knapp 4 Stunden bis hierher, haben uns müde gemacht. Zum Einstieg war die Strecke geradezu ideal.

Später noch ein Spaziergang in der näheren Umgebung, die Route für morgen festgelegt und nach dem Abendessen ins Bett. Dem bierseligen Tischnachbarn wollten wir nicht noch länger Gesellschaft leisten.


06 27.02. Mo Lenggries - Fall       09:00 – 16:00 19,9 344 ^ 185


Start um 9:00 Uhr, noch ein paar Semmeln kaufen, in die Info gehen wir doch nicht mehr, den um 10 Kilometer längeren Weg lassen wir sausen. In Fall könnte eine Sauna warten, mutmaßen wir. Zudem sind uns die Schneeverhältnisse zu ungewiss.

Der Weg ist leicht zu finden, er führt an zwei kleinen Seen vorbei in denen sich das Brauneck spiegelt. „Flusige“ Gebilde/Gewächse an Sträuchern begeistern uns, wir sind gespannt ob die Fotoaufnahmen was geworden sind. Nach guten 1 ½ Stunden halte ich nach einer Bank Ausschau, die nicht direkt am Straßenrand steht. Tatsächlich entdecke ich eine unter zwei großen Bäumen, die diese rechts und links einrahmen, mit Blick zur Sonne. Just in dem Moment als wir uns setzen, tritt diese hinter Wolken hervor und sollte bleiben bis zum Aufbruch.

Weiter geht`s, der Radlweg verläuft immer der Straße entlang und immer öfter im schattigen Wald. Da er zudem stetig steigt, liegt teils noch Schnee darauf der fest gefroren ist. Wieder ca. 1 ½ Stunden, die nächste Pause, die nächste Bank, diesmal mit Tisch. Und wieder hat die Sonne ein Einsehen und wärmt unseren Aufenthalt.

Später zweigt unsere Route von der Straße ab und führt in den Wald, der Schnee unter unseren Füßen wird mehr und mehr. Das Gehen dadurch beschwerlicher, ich „spure“ für Christa. Weiter und weiter in den Wald und höher und höher. Vorne wird es heller, links erhebt sich eine steile Felswand, rechts wird der Blick frei auf einen blaugrünen See. Scheinbar ist dort unten ein Elektrizitätswerk. Die sichtbare Fahrstraße verläuft in weitem Bogen auf der anderen Seite nach oben.

Der Radlweg auf dem wir laufen wird steiler, die Ausblicke werden immer schöner. Dann stehen wir plötzlich vor einem Tunnel, brauchen wir die Stirnlampen? Nein, so lange scheint er nicht zu sein, aber am hinteren Ende scheint ein Tor zu sein. Und noch dazu verschlossen, bemerken wir wenige Minuten später. Na toll! Also umkehren und versuchen anderswo durchzukommen. Weit hinten war ein Abzweig, dieser führt aber nur bis zur Kante eines Steilhanges. Darunter verläuft die Straße. Da runter zu gehen, erscheint uns bei diesen Verhältnissen (Schnee und Laub) zu heikel. So laufen wir im Gebüsch an der Kante entlang, in der Hoffnung einen Abstieg zu finden. Nach einem Stück eingezäuntem Gelände, geht tatsächlich ein Steig nach unten. Bald stehen wir vor einem Zaun mit einem verschlossenen Tor. Abgesperrtes Betriebsgelände. Was tun? „Einfach drüber“ sage ich, was für Christa leichter gesagt als getan ist, er ist doch sehr hoch.

Drüben angelangt wird ein Mann auf uns aufmerksam, der natürlich wissen will was wir da wollen. „Ja, der Radlweg wird nicht geräumt und deshalb ist das Tor verschlossen“, meint er, „aber kommt, ich lasse Euch dort drüben wieder hinaus“. „Ihr müsst halt dann auf der Straße weitergehen“.

Tun wir auch und stehen ca. 20 Minuten später am Sylvensteinspeicher und bewundern das Panorama das sich uns bietet. Hier ist der See noch gänzlich zugefroren, das Eis würde ich aber lieber nicht auf seine Tragfähigkeit testen.

Nach weiteren 2 ½ Kilometern entlang der Straße, stehen wir vor dem Eingang des „Jägers von Fall“. Ein gutes Quartier. Da die Sauna erst um 19:00 Uhr offen ist, nehmen wir das Abendessen schon vorher ein.

07 28.02. Di Fall  - Wallgau    09:00 – 16:30 26,5 369 ^ 195

Regenkleidung angezogen, es regnet, die Prognose für diesen Tag ist nicht berauschend. Trotzdem statten wir der nahen Kirche noch einen kurzen Besuch ab, bevor wir  auf der Straße zum heutigen Ziel, Wallgau, aufbrechen. Nach etwa einem Kilometer sind uns die Autofahrer los, wir zweigen ab.

Hinunter zum Speichersee wo eine Wirtschaftsstraße entlang führt ist es sehr eisig, das konnten wir gestern schon von der Brücke aus beobachten. Christa staunt, als ich Grödeln aus meinem Rucksack zaubere, die ich aus weiser Voraussicht eingepackt hatte. „Ja“, meint sie erfreut, „diese können wir gut gebrauchen“.

Und es ist wesentlich schöner neben dem zum Teil zugefrorenem Wasser zu wandern, als auf der Hauptstraße. Nichts stört uns, auch nicht das „dusige“ Wetter. Im Süden ist der Himmel grau, aber im Nordwesten wird er zunehmend heller und blauer. Der Regen wird zum Nieseln und hört später ganz auf. Stirnband und Handschuhe bleiben aber an. Irgendwann müssen wir wieder auf die Straße zurück, bei einem Kieswerk ist es soweit. Ein Fahrzeug kommt entgegen und bleibt neben uns stehen. Schon etwas verwundert fragt der Fahrer nach unserem woher und wohin. „Um diese Jahreszeit sind in der Regel keine Fernwanderer unterwegs“, meint er. So ein „Ratsch“ tut gut, hier aber merken wir, dass es mit der Zeit unangenehm kalt wird, ich dränge zum Weitergehen.


Nach zwei Kilometern auf der Teerstraße, kommt links ein Abzweig dem wir folgen. Wieder relativ viel Schnee sorgt für ein mühsames Vorwärtskommen. Gleich die nächste Gelegenheit nützen wir, um auf der Straße weiterzulaufen. Noch 14 Kilometer sind es bis Wallgau, die Route würde durch wunderschönes Gelände verlaufen, den Rissbach mit seinem weitläufigen Gries durchqueren. Aber auch im Schatten der Hänge und somit auf schneebedeckten Wegen weiterführen.

Laufen wir dem Radweg nach, sparen wir sicher 1 ½  Stunden. Bei Vorderriss wird die Isar überquert und unser damaliger Weg von München nach Venedig gekreuzt. Das weckt wieder schöne Erinnerungen. Eine Bank zum Hinsetzen? Keine einzige! 9 Parkplätze zähle ich auf dieser Strecke, aber nirgends eine Sitzgelegenheit, abgesehen von großen Steinen am Flussufer.

Dort ist es uns zu windig. So in zwei drei Metern Höhe entdecke ich rechts am aufsteigenden Waldrand mit Gras bewachsene „Treppen“, das könnte ein gemütlicher Platz sein. Und ist es auch. Unsere Alumatten leisten wieder einmal gute Dienste.

Mein T-Shirt ist klatschnass, unter der Regenkleidung schwitzt man einfach, seien die Kleidungsstücke noch so gepriesen mit „Schweiß regulierend“ und „Atmungsaktiv“. Aber zu was hat man Wechselwäsche dabei?

Obwohl auf der weiteren Strecke einige schöne Stellen mit guter Aussicht auf die Gegend dabei sind, wird das Gehen zunehmend zur Qual. Erst 3 Kilometer vor unserem Ziel können wir den eintönigen Radweg/Fahrstraße wieder verlassen und sind froh darüber. Runter zur Isar, der Weg ist jetzt schneefrei und bietet einen schöner Blick auf die Bergwelt. Die Schöttelkarspitze grüßt von links, dort waren wir schon oben, weit rechts hinten müsste das Zugspitzmassiv sein. Die Vorfreude wächst.

Erst mal aber erfreut uns die Sauna im Alpenhof, die wir für uns alleine haben. Nach drei Gängen gehen wir ins Zimmer zurück und blicken erstaunt aus dem Fenster. Es schneit und dass nicht gerade wenig. Was wird uns wohl morgen erwarten?


 
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